(029) Loslassen und Vertrauen – die zahnärztliche Delegation wirkungsvoll etablieren (mit Dr. Jochen Rosbach)

Shownotes

In der eigenen Praxis nicht mehr jeden Patienten selbst zu Gesicht bekommen? Die unmittelbare Verantwortung für Therapieplanung und Behandlungserfolg aus der Hand geben? Diese Weichenstellung ist eine der wichtigsten und gleichzeitig sensibelsten Entwicklungsschritte im Praxiswachstum.

In dieser Folge gibt Dr. Jochen Rosbach, Gründer der Mehrbehandlerpraxis Zahnorama, persönliche Einblicke in seinen Weg hin zur Etablierung ärztlicher Delegation.

Eindrücklich spricht er mit Maike Klapdor über den konsequenten Wandel in seiner Praxis: weg vom Chefarztprinzip, hin zu verantwortungsvoller ärztlicher Delegation. Über unternehmerische Notwendigkeiten, organisationale Herausforderungen – und über die emotionale Dimension des vertrauensvollen Loslassens.

Gemeinsam beleuchten die beiden auch den konkreten Handlungsplan für die funktionierende Delegation in der Mehrbehandlerstruktur. Welche zentrale Rolle Behandlungsleitlinien und eine starke zahnärztliche Leitung dabei spielen, welchen Anteil abteilungsübergreifende Kooperation am Gelingen hat. Und auch, warum es sich lohnt, jungen Talenten Raum zu geben und wie Zahnorama Performance und Wirtschaftlichkeit konzeptstark steuert.

Profitiere von einer Folge, die eine zentrale Entscheidungssituation im Praxiswachstum greifbar macht, und dabei sehr konkrete Hinweise für die Organisationsentwicklung bereithält.


Shownotes:

Alles zu unserer fundierten Ausbildung für die operative Praxisleitung gibt es hier: IHK-Zertifikatslehrgang Praxisleitung

Zu unserem Lehrgang für (angehende) Teamleiterinnen und Teamleiter geht es hier entlang: IHK-Zertifikatslehrgang Teamleitung

Unseren Lehrgang für das Praxismanagement in der Mehrbehandlerpraxis findest Du hier: Speziallehrgang Praxismanagement


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Transkript anzeigen

00:00:07: Herzlich willkommen bei Dental Spirits, dem Podcast für alle, die sich für gesundes Praxiswachstum interessieren.

00:00:13: Dieser Podcast bietet dir Inspiration und ganz konkrete Tipps für die komplexen Herausforderungen der wachsenden Zahnarztpraxis.

00:00:21: Mein Name ist Maike Klapdor und heute darf ich das Gespräch führen mit Dr.

00:00:24: Jochen Rosbach.

00:00:25: Lieber Jochen, hallo.

00:00:27: Hallo Maike.

00:00:27: Ja, Jochen führt die Praxis Zahnorama in der Nähe von Ludwigsburg im schönen Baden Württemberg und unser Thema ist heute "Loslassen und Vertrauen, die ärztliche Delegation wirkungsvoll etablieren".

00:00:41: Ja, Jochen, magst du uns kurz ein paar Sätze sagen, wie die Praxis aufgebaut ist, was euer Konzept ist, in welcher Größe ihr da so unterwegs seid?

00:00:48: Sehr gerne, Maike.

00:00:49: Also unsere Praxis heißt Zahnorama.

00:00:51: Wir sind etwa fünfzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und haben uns gegliedert, ganz grob, in eine Kinderzahnarztpraxis, den Junior Club, und die Erwachsenenpraxis.

00:01:03: Wir bieten alles an Zahnmedizin außer KFO und bemühen uns, das auf einem sehr guten Niveau zu machen.

00:01:09: Ja, prima.

00:01:11: Genau.

00:01:11: Anzahl der Zimmer hattest du gerade schon genannt, glaube nicht.

00:01:14: Es gibt dreizehn Behandlungsräume bei uns.

00:01:16: Und ich glaube einen Eingriffsraum, einen OP davon.

00:01:18: Da ist der Eingriffsraum schon mitgerechnet, genau.

00:01:19: Also, wir haben einen Eingriffsraum.

00:01:21: Ja, wunderbar.

00:01:22: Genau, dies ist der zweite Podcast, also zum unternehmerischen Wirken von Jochen Rosbach

00:01:28: könnt ihr auch mal bei uns scrollen und da werdet ihr einige, ja, eine sehr interessante Folge finden können.

00:01:34: Ja, was uns heute sehr spezifisch und konzentriert beschäftigt, lieber Jochen, ist dieses Thema der ärztlichen

00:01:40: Delegation.

00:01:41: Ich hatte dich gefragt, ob du bereit bist, das mal mit mir hier zu beleuchten.

00:01:44: Und wir beide haben da ja auch so eine gemeinsame Erfahrung mit einem Workshop.

00:01:49: Und es ist ein Thema, was im Praxiswachstum immer wieder auftaucht.

00:01:54: Wir sind ja hier der Podcast für gesundes Praxiswachstum.

00:01:57: Deswegen ist schon die Frage rund um die ärztliche Delegation ...

00:02:00: ab dem Punkt, wo man selber nicht mehr jeden Patienten mit sehen und behandeln kann, was passiert denn da?

00:02:06: Und das ist so ein neuralgischer Punkt.

00:02:07: Da bin ich dankbar, dass wir beide das mal

00:02:09: jetzt hier so ein bisschen ausleuchten.

00:02:12: Was ist das so?

00:02:13: Also die Praxis wird größer, es werden mehr Patienten.

00:02:17: Und dann ist da ja die ärztliche Verantwortung, die auch erfahrene Erfolgslogik der vergangenen Jahre und gleichzeitig irgendwie das Bewusstsein, ja, so geht es nicht weiter.

00:02:28: Was ist das für ein Gefühl?

00:02:30: Was ist da so los in einem Unternehmerzahnarzt?

00:02:32: Ja, ein echter Zwiespalt, Maike.

00:02:35: Denn einerseits, zumindest bei mir war es so, ich kann ja nur für mich sprechen.

00:02:39: Ich hatte am Anfang immer so den Anspruch, dass ich derjenige bin,

00:02:43: der es am besten kann und der jeden Patienten sehen muss.

00:02:46: Und irgendwann war es dann einfach so, dass mit der Anzahl der Patienten, die die Praxis besucht haben, das einfach auch ganz organisatorisch nicht mehr möglich war.

00:02:55: Und dann war für mich einfach auch irgendwann mal klar, so wie es jetzt gerade läuft, dass ich jede neue Untersuchung durchführe, so kann es nicht weitergehen.

00:03:04: Und ja, wir haben diesen Podcast ja überschrieben mit "Vertrauen und Loslassen".

00:03:08: Da ist doch irgendwie eine naheliegende erste Idee, die wir übrigens auch in unseren Lehrgängen und in den ganzen Gesprächen, die wir so führen als Academy mit den Praxisinhabern und -inhaberinnen, ist immer so auch eine Idee.

00:03:20: Ich mache jetzt dann mal so Chefarzt-Prinzip.

00:03:24: Heißt dann, damit ist gemeint, also Chef im Ring, Chefin sieht jeden Patienten.

00:03:28: Und ja, vielleicht beschreibst du das mal besser, dass wirst du besser können als ich, was damit gemeint ist.

00:03:33: Genau, ist wahrscheinlich das, was ich in meinen ersten Jahren in Zahnorama da durchgezogen habe.

00:03:38: Das heißt, alle Neupatienten, alle erwachsenen Neupatienten hatten den ersten Untersuchungstermin bei mir.

00:03:43: Ich habe die Therapie dann auch schon grob festgelegt und habe dann die einzelnen Behandlungsschritte sozusagen meinen Kolleginnen und Kollegen zugewiesen.

00:03:51: Und habe dann auch noch versucht, das Ganze irgendwie zu überwachen und sicherzustellen, dass es in dem Ablauf bleibt, den ich da mit dem Patienten ursprünglich mal besprochen habe.

00:04:02: Ja,

00:04:02: und jetzt läuft es ja seit zehn Jahren anders.

00:04:04: Kannst du nochmal sagen, wann kam dieses System, das Chefarzt-Prinzip, so an die Grenzen?

00:04:10: Was war da in dir los?

00:04:11: Was hat dafür gesorgt, dass neue Entscheidungen getroffen werden sollten?

00:04:14: Ja, wir waren ja an dem Punkt, da waren wir insgesamt zu fünf Kolleginnen und Kollegen und damit stieg dann auch die Frequenz in der Praxis dermaßen an, dass es einfach organisatorisch und auch zeitlich für mich nicht mehr zu schaffen war, ganz abgesehen von dem Intellektuellen, du konntest nicht mehr jeden Patienten einfach dir merken.

00:04:35: Das ist völlig anders, als ich es in meiner Einzelpraxis kennengelernt habe.

00:04:38: Und da wurde mir klar, hier brauchen wir jetzt andere Strukturen und hier muss es ab sofort auch mal anders laufen, sonst crashe ich.

00:04:46: Ja, was ich da jetzt nochmal eben aus einer anderen Perspektive zu ergänzen darf, es geht ja auch darum, im gesunden Praxiswachstum die Praxis auch attraktiv zu halten für einsatzfreudige Kollegen und Kolleginnen, für Zahnärztinnen, Zahnärzte, die in die Verantwortung gehen wollen, die natürlich auch hochwertige eigenverantwortliche Therapieplanung machen wollen und so weiter.

00:05:07: Das heißt für uns jetzt heißt gesunde Praxiswachstum auf jeden Fall auch kein Chefarzt-Prinzip, sondern ein System aufzubauen, dass die ärztliche Delegation so aufbaut, dass Verantwortung für die Therapie, auch für die entsprechende Effizienz, auch für die Honorar-Stundensätze, die dann damit natürlich in der Erwartung stehen, realisiert werden und dass man dann als Praxis quasi diesen Rahmen dafür schafft, dass ist wiederum natürlich Chefaufgabe und das wurde dann gemacht.

00:05:38: Es ist ja lange her, ihr habt da auch dann frühzeitig oder rechtzeitig sagen wir mal.

00:05:43: Ja, du nickst ...

00:05:44: Das

00:05:44: hätte schon früher stattfinden können im Nachhinein.

00:05:47: Ja, jedenfalls gab es diesen Punkt, das war im Jahr 2015, ihr wart fünf Zahnärzte sagst du.

00:05:53: Da wurde das dann festgelegt und wir wollen in diesem Podcast euch mal einen Eindruck davon verschaffen.

00:05:57: Da gehen wir jetzt auch tatsächlich sehr ins Detail.

00:06:00: Wieso was dann stattfindet, wie man da quasi einen Griff dran kriegt, um diesen wichtigen Schritt der Organisationsentwicklung dann auch zu realisieren.

00:06:09: So, wir haben einen Workshop angesetzt.

00:06:12: Es haben sich ja alle Zahnärztinnen, Zahnärzte dann getroffen.

00:06:16: Und es war klar, wie würdest du aus heutiger Sicht, was war das Ziel dieses Workshops?

00:06:20: Das Ziel des Workshops war es, die Strukturen der zahnärztlichen Behandlungen einfach zukunftsfähig und zukunftssicher aufzustellen.

00:06:28: Für mich war wichtig, dass es nicht mehr an mir allein alles hängt, in Anführungszeichen, und diesen Aspekt, den du vorhin genannt hast, Maike, dass auch die jungen Kolleginnen und Kollegen wachsen wollen.

00:06:38: Das ist total wichtig und das hatte ich auch viel zu wenig auf dem Schirm und du musst den Talenten Raum geben.

00:06:43: Und das war so das was ich auch wollte und wo wir einfach Zeit brauchten, wo wir eine sehr gute Moderation brauchten, ich glaube das ist schwierig, das in Eigenverantwortung machen zu wollen.

00:06:54: Und was ganz ganz klar war, ist einfach, dass man das auch nicht von oben verordnen kann, sondern dass wir die Menschen die es betrifft auch mitnehmen müssen.

00:07:01: Und deswegen haben wir uns ja den ganzen Samstag Zeit genommen und hatten da einfach bei dir auch diese diese kompetente Moderation.

00:07:08: Genau, das ist ja so das, was wir im Grunde ins Academy-Geschehen jetzt heutzutage einfließen lassen.

00:07:14: Also wir sind ja klar die spezialisierten Berater auch gewesen über lange Zeiträume und an Praxen wie deiner, Jochen, auch an der guten Zusammenarbeit,

00:07:21: entwickelt man sich natürlich auch als Beratungsunternehmen, das kann man auch ganz ehrlich so

00:07:26: sagen. Ich glaube es lernen beide Seiten, klar.

00:07:27: Und hier jedenfalls sind so solche wichtigen Organisationsentwicklungsschritte dann auch durchgeführt worden.

00:07:33: Genau, jetzt unabhängig davon erstmal, wie das jetzt Einzug in eure Praxis findet, ihr, die ihr uns zuhört.

00:07:40: Also, wir starten mal mit der Festlegung des Therapie-Konzeptes.

00:07:45: Also, wir sind jetzt gerade an der Stelle, dass viele Zahnärzte in einer Mehrbehandlerpraxis arbeiten und dass es darum geht, die Voraussetzungen dafür zu schaffen,

00:07:54: dass der Chef die Chefin im Ring, die das Ganze aufgebaut haben, die die Hauptverantwortung natürlich auch tragen, ärztlich, therapeutisch, dass sie loslassen mögen und auch in einem Vertrauen loslassen, dass weiterhin Zahnmedizin in ihrem Geist, in ihrem Sinn, auch in ihrem Verantwortungsgefühl stattfindet.

00:08:11: Und da haben wir dann das Thema der Behandlungsleitlinien.

00:08:15: Also die wachsende Praxis braucht eher früher als später Behandlungsleitlinien.

00:08:20: Und diese Behandlungsleitlinien, Jochen, ja das ist dann etwas entwickelt worden.

00:08:24: Da war ein gewisser Vorschlag, der ist dann gemeinsam justiert worden.

00:08:27: Und wir machen jetzt mal ein Beispiel.

00:08:29: Diagnostik-Neupatient.

00:08:31: Magst du dazu sagen, was da bei euch festgelegt wurde, was nach wie vor auch die Linien sind, nach denen ihr therapiert?

00:08:38: Also jetzt nicht im Detail, aber schon mal, dass man einen Eindruck davon bekommt.

00:08:41: Genau.

00:08:42: Wir haben jetzt festgelegt, wie mit dem Patienten die Anamnese besprochen wird, wie nachgefragt wird, nach gewesenen Erkrankungen, Medikamenten.

00:08:50: Auch wenn man vielleicht nicht weiß, was das Medikament jetzt im Einzelnen macht, dass man immer fragt, wie die Untersuchung durchgeführt wird.

00:08:57: Welche Röntgenaufnahmen wir benötigen und welche Therapieschritte mit den Patienten auch in der ersten Untersuchungssitzung bereits besprochen werden und welche eben noch nicht.

00:09:07: Und habt ihr so was wie so Gelenkbefund, CMD-Kurzbefund, so was zum Beispiel, findet das bei euch statt oder nicht?

00:09:14: Das findet dann statt, wenn es wirklich notwendig ist.

00:09:17: Das heißt, wenn bei der ersten Untersuchung sich zeigt ... wir machen kurz das Gelenkscreening und das knackt und knirscht, dann wird der Patient darauf hingewiesen, dass man da mal genauer nachschauen muss.

00:09:26: Wir packen nicht alles in die erste Sitzung rein, weil es bei vielen Patienten nicht notwendig ist.

00:09:31: Wie lange ist der Termin bei euch für Neupatienten?

00:09:34: Der ist dreißig Minuten geplant.

00:09:35: Und gibt es auch so was zu Röntgenbildern, ist da was festgelegt worden?

00:09:39: Ja, welche Röntgenaufnahmen werden durchgeführt?

00:09:42: Wann gibt es Bissflügel?

00:09:44: Wann gibt es einen Zahnstatus?

00:09:45: Wann macht man OP-Gate dazu?

00:09:46: Das haben wir alles miteinander festgelegt.

00:09:48: Und dann gibt es ja die auch 01 als Bestandspatient, so als ganz klassische, wichtige Behandlungsform.

00:09:55: Da habt ihr wahrscheinlich dann eine separate Behandlungsleitlinie.

00:09:58: Richtig, da gibt es dann eben auch, wie das Röntgen-Recall geregelt ist.

00:10:02: Wir machen zum Beispiel bei jeder Untersuchung, machen wir einen PSI immer mit zur Remotivation des Patienten auch.

00:10:08: Wir haben sehr viele Patienten, die bei uns im Recall sind und die PZR in Anspruch nehmen.

00:10:12: Und da ist die Remotivation immer wichtig.

00:10:16: Und für Schmerzpatienten hatten wir damals was ausgearbeitet.

00:10:19: Also da war jetzt, weiß ich noch so, nur Schmerzausschaltung war dir wichtig damals, damit man eben im Organisationsfluss bleiben kann.

00:10:25: Kannst du dazu auch noch kurz was sagen?

00:10:27: Ja, wir haben uns da also ganz stark dazu bekannt, dass wir im Schmerztermin wirklich ausschließlich die Schmerzausschaltung durchführen.

00:10:33: Da wird nebenbei nicht noch eine 01 gemacht, da wird nicht nach einem anderen Zahnhof geguckt, sondern da wird geguckt, was ist jetzt das Problem für das der Patient in der Praxis aufgeschlagen ist?

00:10:43: Und dann wird auch genau das gemacht, um den Schmerz zuverlässig zu nehmen.

00:10:48: Und wenn es eine sehr aufwändige Therapie ist, dann muss eben eine Zwischenlösung gefunden werden.

00:10:53: Und der Patient wird dann über die entsprechende aufwändige Therapie, die man auch in Ruhe durchführen muss, beraten.

00:10:59: Aber die findet eben erst in einem zweiten Behandelsschritt statt.

00:11:01: Genau, so jetzt machen wir gerade eine Vermischung.

00:11:03: Ihr merkt das, wenn ihr analytisch zuhört, von Inhalten, also was findet therapeutisch statt.

00:11:08: Und auch von, im Grunde, der Organisationsentwicklungsebene

00:11:12: für die Praxis.

00:11:14: Also wir sind im Grunde in der Kategorie, wir beide gerade, wofür werden Behandlungsleitlinien festgelegt?

00:11:19: Haben gerade drei Beispiele gemacht, Diagnostik-Neupatient, 01-Bestandspatient, Schmerzpatient.

00:11:26: Ihr habt Behandlungsleitlinien auch für andere Bereiche, richtig?

00:11:29: Ja, also durchgehend.

00:11:30: zum Beispiel, wie läuft die PZR-Behandlung ab?

00:11:34: Welche einzelnen Behandlungsschritte gibt es beiden einzelnen Varianten, zum Beispiel einer endodontischen Behandlung: Von der BEMA-Variante

00:11:41: bis hin zum Einsatz des OP-Mikroskopes mit thermoplastischer Kondensation und was da alles so möglich ist.

00:11:47: Und das ist wirklich kleinteilig festgelegt.

00:11:50: Was ist die Kassenendo?

00:11:51: Wo beginnt die Endo unter dem Mikroskop?

00:11:53: Kannst du da zwei, drei Sätze nochmal zu sagen?

00:11:55: Weil das ist schon so ein Bereich, wo wir beobachten, dass da häufig nicht ausreichend ausbuchstabiert ist, was die Praxis an Therapie durchführt, also jetzt von der organisationalen Ebene auch.

00:12:04: Ja, also das haben wir wirklich ganz klar festgelegt.

00:12:06: Wir haben für alle Behandlungsoptionen maximal drei Varianten für uns definiert, zwischen denen der Patient wählen kann.

00:12:13: Einfach weil zu viel dann auch Verwirrung schafft für den Patienten.

00:12:16: Das versteht irgendwann auch kein Mensch mehr.

00:12:17: Versteht man manchmal selbst dann nicht mehr.

00:12:19: Und deswegen, zum Beispiel bei der Endodontie, ist es so, dass wir die BEMA-Variante haben.

00:12:24: Da wird der Zahn eben unter Kofferdam geöffnet, wird aufbereitet, entsprechend den Kassenlinien.

00:12:30: Wir machen keine elektrometrische Längenbestimmung, kein Ultraschall aktiviertes Spülen.

00:12:35: Und wir machen es für uns einfach, damit schneller geht, nutzen wir eine maschinierte Aufbereitung und füllen es dann Single-Cone ab.

00:12:43: Und das steht dann auch irgendwo?

00:12:44: Das

00:12:45: steht bei uns dann auch in der Bahnungsleitlinie drin.

00:12:48: Da steht auch drin, die nächster Stufe ist die sogenannte Endo-M bei uns.

00:12:51: Da wird eben die elektrometrische Längenbestimmung durchgeführt.

00:12:54: Es ultraschall-aktiviert gespült und es wird eben entsprechend auch abgedichtet.

00:12:59: Und die High-End-Variante ist dann eben, wenn der Endospezialist das mit dem Mikroskop durchführt, wo dann alle möglichen Therapieoptionen zur Verfügung stehen, inklusive Fragment entfernen oder was auch immer bei dem Zahn jetzt notwendig ist.

00:13:11: Und bei euch ist auch festgelegt, wer wann mit den Patienten worüber spricht, richtig?

00:13:17: Also, wer klärt jetzt auf, wer klärt auch über Kosten auf, wer klärt über die Therapiemöglichkeiten auf?

00:13:22: Also das ist alles festgelegt bei euch.

00:13:24: Genau, also bei uns ist es so, dass die fachliche Beratung immer durch den Zahnarzt stattfindet und ab einer gewissen Preisschwelle sozusagen, die haben wir bei 2.000 Euro etwa gezogen, da ist es dann so, dass ein separates Beratungsgespräch mit einer unserer speziell geschulten Mitarbeiterinnen stattfindet.

00:13:41: Die hat dann einen separaten Raum, in dem sie dem Patienten bei einem vorbereiteten Termin das Behandlungsangebot, das der Zahnarzt angewiesen hat, präsentiert, das mit ihm durchgeht, ihm alles dazu erläutert und auch alle Fragen, die dazu eventuell auftauchen könnten, beantwortet.

00:13:58: Genau.

00:13:59: So, das ist jetzt wirklich sehr detailliert.

00:14:01: Gleichzeitig ist uns das jetzt schon, oder mir persönlich auch, wichtig, mal diesen Vorteil dieser Festlegungen auch zu erläutern.

00:14:07: Also das ist ein ganz wichtiges Organisationsentwicklungs-Instrument

00:14:11: oder eine Methode, die wir hier im gesunden Praxiswachstum zwingend brauchen, weil ansonsten eben viele unterschiedliche Kollegen mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen, mit unterschiedlichen Vorstellungen von Zahnmedizin, aufeinandertreffen.

00:14:25: In der Praxis, wo zwei oder drei Behandler unterwegs sind, die jeweils ihren eigenen Patientenstamm behandeln, mag das alles noch funktionieren.

00:14:32: Ab dieser Schwelle, wo wir ja eben auch viel unterwegs sind und wo wir über gesundes Praxiswachstum dann auch reden, da ist es notwendig, diese Festlegungen zu machen.

00:14:43: Eindeutig.

00:14:43: Ja.

00:14:44: Und wir kamen ja jetzt aus dem Gedanken, Jochen, wann magst du als Chef im Ring abgeben?

00:14:50: Das

00:14:50: heißt also, diese ganzen Festlegungen, die waren schon Teil dieses Prozesses.

00:14:54: Ich mag abgeben,

00:14:55: oder?

00:14:56: Ja, wobei es bei mir so war.

00:14:57: Am Anfang, ich mochte nicht abgeben.

00:14:59: Ich habe aber gemerkt, ich muss abgeben.

00:15:00: Mittlerweile fühle ich mich wohl in dieser Rolle, dass ich weiß, ich habe Kolleginnen und Kollegen, auf die ich mich verlassen kann, wo ich weiß, dass die Patienten oftmals mindestens so gut behandelt werden wie in meinen Händen.

00:15:11: In manchen Bereichen einfach besser, weil wir halt in der Zahnmedizin auch sehr viele Spezialisierungen mittlerweile sehen.

00:15:18: Und in der Endodontie beispielsweise, da gibt es einfach Könner, die haben Sachen drauf, da kommt der Normalzahnarzt nicht hin.

00:15:24: Ja.

00:15:25: Und in der Implantologie und in anderen Bereichen wird es wahrscheinlich auch ähnlich sein.

00:15:29: Klar.

00:15:30: Genau, wir reden ja hier auch über Prinzipien. Für Füllungen,

00:15:32: nochmal, um das kurz zu sagen...

00:15:34: Ihr habt natürlich auch ... nicht jeder Zahnarzt kriegt den Stoff, den er ... das Material, das er gerne hätte, sondern das ist bei euch festgelegt, sicherlich?

00:15:42: Ja, also sowohl die Instrumente als auch die Materialien sind festgelegt.

00:15:47: Es ist einfach dann in der größeren Struktur auch nicht möglich, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht.

00:15:51: Und, "ich will den Bohrer X und noch den Bohrer Y und das Material Z". Das funktioniert nicht, weil es einfach die Mitarbeiterinnen überfordert und das ganze QM.

00:16:00: Und dann weiß man hinterher irgendwann auch nicht mehr, welcher Patienten jetzt welche Therapie genau erhalten, mit welchem Material.

00:16:05: Das muss schon irgendwo nachvollziehbar sein und es muss auch von der Logistik her zu leisten sein.

00:16:10: Habt ihr diese ganzen Festlegung ... oder andersherum:

00:16:13: Neuer Zahnarzt, neue Zahnärztin kommt ins Team.

00:16:16: So, dann geht es ja darum, wie wird man bekannt gemacht mit diesen ganzen Dingen?

00:16:19: Wie läuft das bei euch?

00:16:20: Also wir haben immer eine Einarbeitungsphase, in der die neue Kollegin oder der neue Kollege dann an meiner Seite ist.

00:16:28: Und mindestens eine Woche, wir hatten das früher über mehrere Wochen, das ist aber sehr frustrierend für die Kolleginnen und Kollegen, weil die einfach... auch hungrig sind und selber arbeiten möchten.

00:16:38: Die wollen nicht den ganzen Tag nur zugucken.

00:16:40: Deswegen halten wir das relativ kurz und fangen dann ab der zweiten Woche an, dass die Kolleginnen und Kollegen unter Supervision sozusagen, das heißt, ich sehe da am Anfang noch die Arbeitsschritte, anfangen, Patienten zu behandeln.

00:16:52: Und wenn man dann sieht, es läuft gut, dann werden eben schrittweise dann auch andere Behandlungen, in Anführungszeichen, freigeschaltet für die Kolleginnen und Kollegen genau.

00:17:01: Also all das sind ja diese Festlegungen, die es braucht, damit die ärztliche Delegation auch funktioniert in der großen Struktur.

00:17:08: Ja, damit ich eben auch weiß, die Patientinnen und Patienten werden entsprechend behandelt.

00:17:14: So, jetzt hast du eben schon den Begriff Spezialisten genannt.

00:17:18: Also was wir in diesem Workshop dann ja auch gemacht haben und das empfehlen wir für euch auch auf jeden Fall, ihr, die ihr uns zuhört.

00:17:23: Es ist dieses Spezialisten-Konzept dann in der Mehrbehandlerpraxis.

00:17:28: Also ja, wer nimmt auf, wer gibt ab?

00:17:30: Das hattet ihr damals auch kleinteilig festgelegt.

00:17:33: Kannst du dazu noch ein paar Sätze sagen?

00:17:35: Ja, ich würde es vielleicht mal am Beispiel der Endodontie erklären.

00:17:38: Also da ist es so, dass zu dem Zeitpunkt ich derjenige war, der die mikroskopische Endodontie verantwortet hat in der Praxis.

00:17:44: Und wir haben dann eben festgelegt, dass bis Endo-M sozusagen in den Händen der Kolleginnen bleibt und Kollegen.

00:17:51: Und Endo-OPM, da war eben jetzt auch niemand, der sich wirklich massiv dafür interessiert hat oder da schon die entsprechenden Kenntnisse erworben hatte.

00:17:59: Das ging dann eben in meine Hände.

00:18:01: Ich habe die Wurzelbehandlung durchgeführt und nach dem Recall, nach dem ersten Röntgenrecall, ging der Patient dann eben wieder zurück zu den entsprechenden Behandlern und da wurde dann die Prothetik eben durchgeführt zum Beispiel.

00:18:15: Genau und jetzt habt ihr auch einen großen Kinderbereich, da läuft es ja im Grunde analog.

00:18:19: Also aber es ist so ein komplett eigener Bereich mit völlig eigenen Leitlinien, die gleichzeitig nach denselben Prinzipien auch irgendwie organisiert sind, oder wie würdest du das beschreiben?

00:18:29: Ja, es gibt ganz andere Spielregeln.

00:18:32: Also die Kinderzahnheilkunde funktioniert anders, weil insgesamt gesehen weniger Behandlungen, weniger ganz komplexe Behandlungen da sind.

00:18:42: Da geht es eher darum zu selektieren, welches Kind lässt sich jetzt im Stuhl behandeln und welches muss zum Beispiel in Narkose behandelt werden.

00:18:50: Und da haben wir natürlich auch unsere Leitlinien und unser Einarbeitungskonzept.

00:18:55: Ab wann, welche Kolleginnen im Kinderbereich nur Kolleginnen tätig, dann auch welche Therapieschritte durchführen darf.

00:19:03: Das heißt also, wir haben da ganz viel Hospitation bei den Narkosebehandlungen, um den Kolleginnen auch die Sicherheit zu geben.

00:19:10: Und dann ist es auch so, dass dieses Zahnärztinnen-Themen da so super funktioniert, dass die einfach dann auch irgendwann mal den Platz wechseln und dann arbeitet die Kolleginnen und der Supervision bei der Narkose und gewinnt da eben die Sicherheit, dann auch weitere Behandelsschritte durchführen zu können.

00:19:24: Funktioniert super.

00:19:25: Und für den Kinderbereich gibt es ja auch dann natürlich wie für den Erwachsenenbereich, was passiert mit dem kleinen Neupatienten?

00:19:33: Das ist auch festgelegt.

00:19:34: Und auch so mal, wir wissen ja, dass in der Kinderzahnheilkunde, bei den Erwachsenen auch, aber bei der Kinderzahnheilkunde noch, also relativ, mehr, die Prophylaxeleistung, die IP-Leistung in dem Fall natürlich eine Riesenrolle spielt, sowohl für die Therapie als auch natürlich für die Wirtschaftlichkeit der Praxis.

00:19:49: Habt ihr da auch so Festlegungen rund um die Organisationsflüsse? Kannst du das kurz skizzieren?

00:19:55: Ja, also wir bemühen uns jeden Patienten zweimal im Jahr die Individualprophylaxe dann auch anzubieten, wobei das wirklich mit zunehmenden Patientenaufkommen immer schwieriger wird, weil schlicht und ergreifend die räumlichen und personellen Kapazitäten irgendwann in so einer spezialisierten Kinderpraxis der Flaschenhals und der Engpass werden, ja.

00:20:15: Ja, irgendwas, ne?

00:20:16: Mal sind's die Räume, dann sind's die ausgebildeten Menschen, dann, also das ist gar nicht so einfach, diese verschiedenen Ressourcenfaktoren wirklich.

00:20:23: in Einklang zu bringen.

00:20:24: Das ist ja... Bei Kindern und Erwachsenen, ja, im Grunde, Erwachsenen-Prophylaxe ist es ja irgendwie auch ein bisschen vergleichbar, oder ne?

00:20:30: Du guckst grad so, als würdest du da Unterschiede machen?

00:20:32: Ja, so in der Erwachsenen-Prophylaxe ist eigentlich die Steuerung relativ einfach, weil wir das sehr risikogesteuert machen.

00:20:38: Das heißt, wir gucken, wie viel Prophylaxe braucht der einzelne Patient und bei den Erwachsenen lässt sich es relativ gut steuern. Bei den Kindern

00:20:46: ist es einfach so, dass viele Eltern dann einfach auch drauf bestehen, dass die IP-Behandlung zweimal im Jahr durchgeführt wird ...

00:20:52: Ja,

00:20:52: ist ja auch im Sinne der Praxis und will man ja auch.

00:20:54: Voll.

00:20:55: Nur dann muss in der Regel die 01 dazu gewährleistet sein, dann muss ein Zimmer da sein und es muss eben auch eine Mitarbeiterin da sein, die die IP-Leistung erbringen kann.

00:21:05: Und da wird es manchmal auch schon wirklich ein bisschen anspruchsvoll.

00:21:09: Ja, viele Strukturen und viel ausgearbeitet und ja, finde ich ganz sympathisch, dass du jetzt auch mal so die Grenzen des Systems ganz offen gerade skizzierst.

00:21:18: Ja, ist so.

00:21:19: Gut, so zurück zur Frage, Loslassen und Vertrauen, also ärztliche Delegation.

00:21:24: Und, ja, aus den letzten Minuten konnten wir das, was die große Praxis völlig anders hat als die kleine schon sehr illuster raushören, dass ... also man redet über Management und Organisation und Strukturen aufbauen.

00:21:37: Ja,

00:21:37: sehr viel.

00:21:38: Und man muss halt aufpassen, dass man dabei nicht den Menschen vergisst, der das Ganze natürlich auch leisten muss.

00:21:43: Und das ist ja eine der Gründe, warum wir diesen Workshop dann auch gemacht haben und ... um die Menschen einfach mitzunehmen.

00:21:49: Genau.

00:21:50: Genau, dann: festgelegt wurde das Spezialistenkonzept.

00:21:53: Und jetzt habt ihr da untereinander ja Vereinbarungen getroffen, wer überweist was, wer nimmt was auf und so.

00:22:00: Und damit sind wir dann ja automatisch bei auch der Frage...

00:22:03: Die Zahnärzte können viel abstimmen und sich therapeutisch auch gut verständigen, nur es braucht natürlich auch die anderen Abteilungen und Bereiche, deren Unterstützung, damit das Ganze funktionieren kann.

00:22:14: Also, wenn der Implantat-Patient jetzt beim Kinderbehandler landet, dann...

00:22:18: Dann ist, bei der Terminierung was schief gelaufen, ja.

00:22:20: Ja, das war natürlich ein eher unrealistisches Beispiel.

00:22:24: Genau.

00:22:25: Es wurde dann eben auch ausgearbeitet und das empfehlen wir euch auch, wenn ihr so einen Workshop mal durchführen wollt in eurem Team:

00:22:32: Welche Unterstützung brauchen wir?

00:22:35: Und dann haben die Zahnärzte sich überlegt in diesem Workshop, welche Unterstützung brauchen wir von der Verwaltung, von der Prophylaxe, von der Rezeption, vom Assistenzteam und so weiter.

00:22:45: Und da darf uns klar sein, je größer die Praxis, desto wichtiger das Zusammenspiel, desto wichtiger auch dieser Teamgedanke, auch die Förderung der Kooperation, Teamklima spielt an der Stelle natürlich auch eine Rolle.

00:22:58: Ja, und da waren da schon so ein paar Festlegungen, oder?

00:23:00: Also ich weiß nicht, hast du noch so ein... oder ja, für dich ist das so gelebter Alltag?

00:23:04: Ja, vieles davon ist immer noch gelebter Alltag.

00:23:07: Manches wurde auch angepasst mittlerweile.

00:23:08: Ein paar wenige Sachen, muss man ehrlich sagen, sind auch eingeschlafen, ja.

00:23:11: Ja,

00:23:11: das ist ja auch immer die Herausforderung, die Festlegungen dann tatsächlich auch auf die lange Linie zu bringen.

00:23:16: Ja, das ist...

00:23:17: Das Prozess-Controlling, ne?

00:23:19: Das

00:23:19: ist wirklich die ganz große Meisterklasse sozusagen.

00:23:24: Ich habe jetzt hier, wenn das so raschelt, wundert euch nicht, die ihr uns zuhört.

00:23:27: Das liegt daran, dass ich einen Workshop-Protokoll vor mir liegen habe.

00:23:30: Es geht einfach schon noch um viele Details und wir haben den Anspruch jetzt gerade... dass wir euch einiges vermitteln möchten oder auch die direkte, konkrete Hinweise vermitteln möchten.

00:23:39: Und ich lese das mal kurz vor.

00:23:41: Also welche Unterstützung brauchen wir?

00:23:42: Wir haben dann die Zahnärzte in diesem Workshop, in dem es im Kern darum ging, dass Dr.

00:23:48: Rosbach nicht mehr jeden Patienten sieht.

00:23:50: So, was das da auch emotional mit dir gemacht hat,

00:23:53: da reden wir gleich noch einmal drüber.

00:23:55: Da wurde ausgearbeitet:

00:23:56: Was brauchen wir da?

00:23:57: Und da stand beispielsweise ... von der Rezeption klare Patientenführung, Terminsteuerung bzw. Einhaltung Terminblöcke für spezifische Behandlungen, spezifische Patientenzuweisung zu den entsprechenden Behandlern, telefonische Abfrage, Filterung am Telefon durch Fragenkatalog.

00:24:14: Also das ist ja so das, was dann die Patientensteuerung auch ausmacht, wenn sie denn gelingt.

00:24:20: Wie ist das?

00:24:20: Funktioniert das oder funktioniert das auch öfter nicht?

00:24:23: Oder wie ist das, wie ist so deine Beobachtung?

00:24:25: Das funktioniert ziemlich gut, wobei man ganz klar sagen muss, da kommt es natürlich auch ein bisschen darauf an, welche Mitarbeiterin geht gerade ans Telefon.

00:24:34: Da ist die eine sicherlich ein bisschen geschickter als die andere und das ist auch schwer, das zu trainieren und das beizubringen.

00:24:40: Also wir haben natürlich Mitarbeiterinnen, die sind schon sehr lange bei uns, die wissen entweder schon, der Patient gehört nur zu dem Behandler oder, wenn's ein neuer Patient ist, dann kriegen die auch relativ schnell raus, zu welchem Behandler der Patient dann eben auch passen würde oder umgekehrt viel mehr.

00:24:54: Also so einheitliche Sprachregelungen, die sind erarbeitet, ist wahrscheinlich jeder, jede Urlaubsvertretung, jeder Teamwechsel, bringt dann wieder die nächste Herausforderung.

00:25:03: Ja, also wir haben schon so die Standard-Floskeln, zum Beispiel zum Melden am Telefon.

00:25:09: Das machen alle, aber danach, du weißt selbst, so ein Gespräch, das wird automatisch zum Freestyle.

00:25:14: Genau, also das ist nicht nur bei Zahnorama, das ist in vielen Praxen so.

00:25:17: Also wirklich da eine Verlässlichkeit und eine Verbindlichkeit und dass die Ergebnisse so erzeugt werden, wie man die am grünen Tisch plant...

00:25:24: Das ist überhaupt nicht einfach.

00:25:25: Man braucht im Grunde auch eine starke Rezeptionsteamleitung, braucht eine starke Einwirkung.

00:25:29: Und auch hier, Thema Komplexität...

00:25:31: Das ist ja die ganz große Herausforderung für Mehrbehandlerpraxen.

00:25:35: Wenn es aus welchen Gründen auch immer zu einer hohen Fluktuation kommt, dann hat man automatisch auch hier natürlich nicht die Karten, die man hätte, wenn da stabil das Team an der Rezeption tätig ist.

00:25:45: Wir wechseln nochmal eben ... das "was brauchen wir?"

00:25:47: "Welche Unterstützung brauchen wir?"

00:25:48: Das war ja wirklich auch sehr interessant in diesem Workshop.

00:25:51: Und da haben sie gesagt, lieber Jochen, wir brauchen

00:25:54: Dr.-Rosbach-Zeit.

00:25:56: Das haben sie gesagt.

00:25:57: Und dann haben sie gesagt, Unterstützung bei OPM-Handhabung.

00:26:00: Das ist OP-Mikroskop, ja.

00:26:01: Ah ja,

00:26:02: genau.

00:26:02: Unterstützung bei komplexen Behandlungsabläufen, Zeit für Besprechungen.

00:26:06: Also das ist im Grunde der Wechsel.

00:26:07: Also du bist selber nicht mehr so viel am Patienten und die Zeit wird eingesetzt für das Coaching der Zahnärzte.

00:26:14: Genau.

00:26:14: Als Konsequenz aus diesem Workshop haben wir dann eben unser Besprechungskonzept auch auf den Stand gebracht.

00:26:20: Ich hatte dann ab sofort regelmäßige Zeiten mit den einzelnen Zahnärztinnen und Zahnärzten, um aktuelle Behandlungsfälle, Planungen, Konzeptionen für die Behandlungsabschnitte...

00:26:30: das alles mit denen durchzugehen und im Detail auch zu besprechen und abzugleichen sozusagen.

00:26:34: Ja und ihr habt eine zahnärztliche Leitung dann ...

00:26:36: Ich weiß nicht, 2015 noch nicht, aber ein paar Jahre später hast du eine zahnärztliche Leitung etabliert.

00:26:40: Das heißt, eine angestellte Kollegin hat dies verantwortlich übernommen.

00:26:44: Das war auch eine gute Entscheidung, weil ich schon gemerkt habe, dass es nicht so ganz meine Präferenz war, das Ganze immer so kleinteilig mit den Kolleginnen und Kollegen aufzubereiten.

00:26:53: Und da hatten wir dann eben die Kollegin, die sich mit mir die ärztliche Leitung geteilt hat und die auch sehr konsequent die Zahlen und die Führungsgespräche mit den Kolleginnen und Kollegen geführt hat.

00:27:04: Und zu mir sind dann mehr so die fachlichen Fragen gewandert.

00:27:07: Und damit habe ich mich auch sehr wohl gefühlt mit diesem Konzept.

00:27:10: Genau.

00:27:10: Und da gibt es auch nicht das eine goldene Rezept, das für alle Praxen gilt im Wachstum, sondern ihr braucht die wirklich sehr kluge Reflexion rund um die Frage, wer in unserem Team kann genau diese Aufgabe übernehmen.

00:27:25: Also die Performance im Angestellten Zahnärzte-Team zu steuern, die Leute auch in ihre Potenziale zu führen.

00:27:32: Wer hat Interesse daran, hier wirklich auch die Rohdiamanten zu Brillanten zu schleifen und die Weiterbildungsinteressen zu kanalisieren?

00:27:39: Also dieses zu tun, was die verantwortliche Führungskraft tut im Zahnärzte-Team.

00:27:45: Da habt ihr euch auch gut die Bälle zugeworfen, so jeweils in euren Stärkenfeldern.

00:27:49: Ja, das ist bei uns sehr gut gelaufen und da kann ich nur einen Tipp geben, man braucht da die Menschen, die das wollen vor allem und die es dann eben auch können.

00:27:59: Wobei, ich glaube, das Wollen ist noch viel wichtiger.

00:28:01: Das Können kannst du hinterher noch ein bisschen nachschulen.

00:28:04: Und da braucht es einfach jemanden, der einfach auch Lust hat sich mit den Menschen zu befassen.

00:28:10: Und der empathisch ist und an der Stelle dann einfach auch eine super wichtige Funktion übernimmt.

00:28:15: In

00:28:15: dieser Leitung des Zahnärzte-Teams.

00:28:17: Ja.

00:28:17: Und dann ja auch an der Stelle zur Verantwortung für Effizienzsteuerungen.

00:28:22: Ja klar, also der oder diejenige muss natürlich auch hinterher, wenn irgendwas schiefläuft, Rechenschaft dafür ablegen und die Verantwortung dafür übernehmen.

00:28:29: Also es muss schon jemand sein, der einfach auch in dem Bereich eine gewisse Reife aufweist.

00:28:34: Ja.

00:28:34: Und dann machen wir nochmal eben den Ausflug in die Betriebswirtschaft.

00:28:39: In dem Moment, wo die Praxis, ja, wo der Chef oder die Chefin loslässt und die angestellten Behandler in die volle Performance entwickelt, dafür eigene Ressourcen bereitstellt, dafür die zahnärztliche Leitung etabliert, in dem Moment müssen natürlich auch, müssen, ich sage ungern müssen, passt nicht so richtig in mein Wortschatz, aber hier gibt es keine Variante, die entsprechenden Stundensätze auch kommen auf den Plätzen.

00:29:01: Also da ist es dann nicht mehr egal, ist man bei 220 Euro oder ist man bei 300 Euro, da geht es darum, miteinander

00:29:08: festzulegen und auch zu schauen, wie kriegt man die Performance auf den jeweiligen Plätzen organisiert, Jochen?

00:29:14: Oder würdest du sagen, da gibt es links und rechts?

00:29:17: Nein, das ist ein ganz wichtiger Punkt, den du sagst.

00:29:19: In dem Moment, in dem ein sehr wertvoller Behandler seine Behandlungszeit reduziert, um ins Coaching zu gehen und um da in die Förderung zu gehen, dann muss da hinterher auch das messbar sich niederschlagen.

00:29:33: Und ihr hattet da ja auch dieses System der regelmäßigen Gespräche und der datenbasierten Steuerung.

00:29:39: Genau, das haben wir da umgesetzt und das war für uns sehr erfolgreich.

00:29:44: Das kann ich auch noch mal sagen, das ist auch wesentlicher Teil in unseren Leitungslehrgängen, also dieser BWL-Part, der ist schon auch wichtig. Die große Praxis kann ihre Rendite-Chancen in dem Moment voll ausspielen, wenn sie eben auch ein System verfolgt und auch konsequent verfolgt, das eben auch datenbegleitet ist.

00:30:02: Und da haben wir dann, Jochen, auch einmal im Jahr diese Jahresplanung, wo für jeden einzelnen Platz immer das Feld der Möglichkeiten auch ausgeleuchtet wird.

00:30:13: Und was mich da immer so fasziniert hat, ist, wie exakt diese Planungen dann teilweise auch waren.

00:30:17: Also wir haben da bis mit Abweichung von unter einem Prozent ja teilweise gearbeitet.

00:30:21: Das war schon der Hammer.

00:30:22: Also man kann das sehr gut steuern, war mir nicht so bewusst, aber das ist einfach eine Sache...

00:30:27: Planung, also wenn du nicht planst, dann gehst du irgendwo hin und wenn du den Plan hast, dann ist es auch oftmals richtig gut möglich, den umzusetzen.

00:30:35: Ja, ich

00:30:35: bin total dankbar, dass du das jetzt auch so aussprichst, weil ich gucke manchmal, habe ich den Eindruck, in so ein bisschen leere Gesichter, wenn ich das Thema Planung anbringe, weil es ist natürlich Zeit, ne?

00:30:45: Also eine Planung aufzubauen, das ist schon Zeit.

00:30:49: Und gleichzeitig ist diese Zeit so wertvoll und so gut investiert.

00:30:53: Also wirklich jeden einzelnen Platz zu durchdenken, was sind da die Rahmenbedingungen, welche Einflussfaktoren hat man und so.

00:30:59: Da rückkoppeln wir auch so ein bisschen auf diesen Honorar-Stundensatz-Podcast.

00:31:03: Wer unseren Podcast schon länger hört, mit Dr.

00:31:05: Alexander Goos hatten wir ein Podcast aufgenommen ... und genau diesen Honorar-Stundensatz wirklich bewusst zu steuern.

00:31:11: Und das brauchen wir auch, damit wir in einer ärztlichen Delegation am Ende auch die Renditen haben, die wir brauchen.

00:31:18: Ja, damit gehen wir mal zurück auf diesen Workshop.

00:31:21: Also es gab da so einen Moment, da wollte ich dich noch mal fragen, da warst du so emotional, da wurden deine Augen ein bisschen feucht und ja, du grinst, du weißt, was ich meine, obwohl es lange her ist.

00:31:30: Kannst du es noch mal eben kurz beschreiben, was ist da in dir passiert?

00:31:33: Ja, das war so, als wir die Ergebnisse des Workshops dann noch mal präsentiert haben und durchgegangen sind.

00:31:38: Da wurde mir eigentlich bewusst, dass ich jetzt eine völlig andere Position haben werde und dass ich einfach dieses jeden Patienten zu sehen, für jeden Verantwortung übernehmen, dass das Vergangenheit ist – und das war für mich echt schwer, da habe ich wirklich fast geheult, da hast du recht.

00:31:54: Und gleichzeitig auch, es war eine Erleichterung, weil diese, diese Last von mir abfiel.

00:31:59: Und ich, ich wusste, ich habe da ein Team und eine Mannschaft, der ich vertrauen kann und der ich das zutraue.

00:32:05: Und das war so ein schönes Gefühl für mich.

00:32:07: Und ich glaube, dass jeder, der so ein Wachstumsziel hat, einfach diese Bereitschaft braucht, an der Stelle zu sagen irgendwann.

00:32:15: Und ich sage euch, lieber früher als später, ich lasse jetzt los und ich traue meinen Kolleginnen und Kollegen das zu und die rocken das.

00:32:23: Und ihr werdet sehen.

00:32:24: Das passiert dann auch genauso.

00:32:25: Wunderbar.

00:32:26: Das sind ja schöne, ja, emotionale Worte, die jetzt auch so viel klar machen und gleichzeitig auch berühren.

00:32:34: Danke dafür, dass du das so mit uns

00:32:35: teilst.

00:32:35: Ja, sehr gerne.

00:32:36: Weil ich ..., es ist meine Überzeugung, wenn du, wenn du wachsen willst und wenn du eine große Praxis haben willst, dann musst du vertrauen und dann musst du loslassen und dann musst du die Menschen auch mal machen lassen und die wollen, in der Regel, wollen die was Gutes machen und die wollen ja nicht schaden und das musst du einfach zulassen.

00:32:52: Ja, ja.

00:32:53: Ja, wunderbar, lieber Jochen.

00:32:56: Damit kommen wir auch so Richtung Ende unseres Podcasts.

00:32:59: Wir haben das aufgeschlüsselt, was mir auch so wichtig war, wo ich jetzt eben auch gerade mit deinem Beispiel und deiner Historie, das liegt lange zurück, und ihr habt dieses Prinzip nie verändert.

00:33:08: Ihr seid dabei geblieben, ne?

00:33:09: Der Delegation, der strukturierten ärztlichen Delegation.

00:33:12: In wechselnder Zusammensetzung des Teams, ja.

00:33:14: Aber wir haben es durchgezogen, ja.

00:33:16: Ja,

00:33:16: du bist ja nicht mehr zum Chefbehandler zurückgesprungen und hast da ja an diesem grundlegenden Prinzip was... da eingerichtet wurde, auch nicht mehr gerüttelt.

00:33:26: Klar, das hat Varianz.

00:33:27: In dem Moment, wer sitzt auf welchen Positionen, aber diese grundlegende Einrichtung...

00:33:31: Das

00:33:32: bleibt so.

00:33:32: Das

00:33:32: bleibt so.

00:33:33: Und das ist auch was, von dem wir als Akademie überzeugt sind und auch aus der langen Beratungserfahrung.

00:33:39: Das braucht es.

00:33:40: Also das braucht es, weil ansonsten sich nämlich, und dafür gibt es auch viele Beispiele im Markt, wer das nicht macht, der findet sich mit absoluter Sicherheit im Hamsterrad wieder.

00:33:49: Weil wenn dieses Vertrauen, genau das, was Jochen gerade wirklich sehr berührend auch beschrieben hat, was in ihm innerlich los war, wer diesen Schritt nicht gehen mag, aus welchen Gründen auch immer, der wird in einer Rolle bleiben, er oder sie wird in einer Rolle bleiben, die viel Verantwortung, die viel Druck auf den eigenen Schultern, im Sinne von Performance, und die einfach insgesamt auch zu viel ist im großen Team.

00:34:12: Und damit, ja, entsteht all das, was entsteht, wenn Menschen einfach über Jahre überfordert sind und sich ausbrennen möglicherweise.

00:34:20: Dann kriegst du auch nicht die Leute, die du willst.

00:34:22: Das

00:34:22: spielt auch eine Rolle richtig, ja.

00:34:23: Genau.

00:34:24: Wenn du nicht loslässt und wenn du keinen Raum gibst für Entwicklung, dann verlierst du entweder die Mitarbeiter, die wirklich wertvoll sind oder die kommen gar nicht erst zu dir.

00:34:33: Prima!

00:34:33: Ja, das war ein... breiter Bogen durch die Komplexität der Mehrbehandlerpraxis: Strukturen, Führungskompetenz, Daten, wir haben alles gestreift heute, Jochen.

00:34:44: Ein wilder Ritt.

00:34:45: Ja, vielen Dank für deine Offenheit.

00:34:48: Dieses Thema Loslassen und Vertrauen, das hat jetzt mit deinen Ausführungen richtig Bild und Gefühl bekommen.

00:34:54: Vielen Dank dafür.

00:34:55: Sehr gerne, liebe Maike.

00:34:56: Ja,

00:34:57: und an alle, die uns zugehört haben:

00:34:58: Vielen Dank für eure Zeit und wir hoffen, wir konnten euch was mitgeben an Impulsen, an Inspiration.

00:35:04: Gerne, bis bald.

00:35:05: Tschüss.

00:35:05: Ciao.

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