(039) Wachstumsschwellen: Praxisgröße(n) zwischen Sweet Spot und Todeszone (mit Christian Brendel)

Shownotes

40 Jahre alt, seit einigen Jahren in eigener Praxis und alles läuft wie geschmiert. Oft der Punkt, an dem sich viele Praxisinhaber:innen die Frage stellen: Und jetzt? 20 Jahre genauso weiter kann's ja kaum sein. Also los – größere Räume, weiteres Wachstum?! Obacht!

Welche Abwägungen es genau an dieser Stelle braucht: Darüber spricht Maike Klapdor in dieser Folge mit Christian Brendel – Mitinhaber von Solvi und Pepito und Host des Podcasts "Aufgebohrt". Gemeinsam beleuchten die beiden, wie sich die Herausforderungen und Erfolgslogiken der Zahnarztpraxis entlang von Wachstumsschwellen verändern – und was ein Verharren im Schwellenbereich gefährlich macht: Es geht um den Zusammenhang von Rendite und Praxisgröße, um die sogenannte Todeszone und um die Frage, welche Praxisgröße wirklich zur eigenen Person und Lebensplanung passt. Natürlich kommt auch die Rolle, die Daten bei operativer Steuerung und strategischen Entscheidung spielen, in dieser reichhaltigen Folge nicht zu kurz.


Shownotes:

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Transkript anzeigen

00:00:07: Herzlich willkommen bei Dental Spirits, dem Podcast für alle, die sich für gesundes Praxiswachstum interessieren.

00:00:13: Dieser Podcast bietet dir Inspiration und ganz konkrete Tipps für die komplexen Herausforderungen der wachsenden Zahnarztpraxis.

00:00:21: Mein Name ist Maike Klapdor und heute habe ich erneut Christian Brendel zu Gast.

00:00:26: Herzlich willkommen, lieber Christian!

00:00:28: Hallo liebe Maike, vielen Dank dass ich hier sein darf.

00:00:30: Ja, Christian Brendel ist ja schon eine Größe in unserer Branche

00:00:35: und den allermeisten von euch wird Christian ein Begriff sein,

00:00:37: Firma Solvi, Firma Pepito natürlich der Aufgebohrt-Podcast, also wirklich vielfältig unterwegs.

00:00:44: Würdet ihr euch als Software-Haus beschreiben oder wie würdest du es bezeichnen?

00:00:49: Das ist eine gute Frage!

00:00:50: Also im Herzen sind wir eigentlich würde ich sagen ein Beratungsunternehmen, eine Praxisberatung. Obgleich die Software natürlich der größte Teil unseres Geschäftes ist, aber wir informieren das alles und machen das alles rund um die Entwicklung der Praxis eigentlich.

00:01:04: Es geht darum, dass Praxen besser werden.

00:01:06: Wir machen also nicht Software, um Software zu machen, sondern tatsächlich um Zahnarztpraxen das Leben ein bisschen leichter zu machen und vielleicht Erfolg zu ermöglichen.

00:01:12: Ja, wunderbar!

00:01:14: Ja, wir sind ja hier der Podcast für gesundes Praxiswachstum und ihr habt ja auch in allen möglichen Größenkategorien Kunden und Klienten und Mandanten.

00:01:23: Wie nennt ihr die überhaupt?

00:01:24: Kunden? Oder Mandanten? Oder wie?

00:01:26: Kunden.

00:01:28: Ja, das ist super!

00:01:29: Insofern haben wir hier den Spezialisten bei uns an Bord, um über Wachstumsstadien zu reden und auch all dies mal einzuordnen, was denn da so passiert, wenn die Praxen wachsen. So, bevor uns jetzt wirklich auf die Praxis stürzen und auch über sowas wie Todeszone reden...

00:01:45: Christian, nochmal eben die persönliche Unternehmerfrage an dich:

00:01:49: Eure Mutter hat Fibu-Doc gegründet,

00:01:50: richtig?

00:01:51: Ja, so hieß die Firma damals ganz genau.

00:01:54: Ja, wer lange in der Branche ist, dem sagt das auch noch was.

00:01:56: Und – das Unternehmen, das du ja heute zusammen mit deiner Schwester führst, hat das noch irgendwas zu tun mit dem, was deine Mutter seinerzeit aufgebaut hat?

00:02:05: Ich glaube, die Werte sind die gleichen.

00:02:08: Wir machen das wirklich für unsere Kunden.

00:02:10: Von dir habe ich den Ausdruck "dienende Haltung" gelernt.

00:02:14: Also, ich glaube das ist das, was noch gleich ist und die Gründe, warum wir es tun.

00:02:18: Unserer Mutter ging's auch schon darum, dass Zahnärzte, Praxisinhaber wirtschaftlich frei sind, finanziell frei sind und da ist eben wichtig, dass sie ihre Zahlen verstehen und ihr Unternehmen verstehen oder ihre Praxis verstehen.

00:02:29: Und von daher, das ist im Kern dasselbe.

00:02:31: Wir haben heute natürlich ein anderes Produktspektrum, ein anderes Angebot und andere Herausforderungen bei den Praxen.

00:02:36: Ich glaube da hat sich über die letzten 35 Jahre, die wir das jetzt machen doch alles mindestens zweimal geändert, von der Positionierung und von den Dingen, die wichtig sind.

00:02:44: Aber der Spirit ist auf jeden Fall noch der gleiche.

00:02:47: Ja, starke Werte, zu wissen, wofür man steht ... Das gibt ja wirklich auch so Verwurzelung, also das geht uns ja auch so.

00:02:54: Ich glaube, deswegen mögen wir uns auch so und können da irgendwie auch immer so längere Strecken, wo wir uns nicht sehen,

00:02:59: doch sehr gut überbrücken und wissen sofort immer wieder: Da werden wir verstanden!

00:03:03: Also, ja, das ist so die ähnliche Wertehaltung, die ihr tragt, die wir tragen.

00:03:08: Das fühlt sich auch richtig gut an.

00:03:10: Ja, jetzt zu Wachstumsschwellen oder auch Erfolgslogik ändert sich:

00:03:13: Wir gucken nochmal ganz kurz zu euch, bevor wir dann auf die Zahnarztpraxen einsteigen.

00:03:18: Welches waren bei euch denn so die zwei, drei zentralen Meilensteine, wo sich die Erfolgslogik verändert hat?

00:03:25: Ja, das schöne ist Maike,

00:03:26: das ist eigentlich ganz ähnlich wie bei den Praxen, glaube ich, weil am Ende sind es nur Menschen, die hier in Räumen zusammenarbeiten und die Dynamiken sind die gleichen.

00:03:33: Ich würde denken, meine Mutter hat ja damals eigentlich so die klassische Einbehandlerpraxis geöffnet.

00:03:38: Die hat einfach angefangen, hier Praxen zu beraten. Und dann hatte sie natürlich erste administrative Mitarbeitende und das war alles auf sie fokussiert.

00:03:47: Das hat funktioniert.

00:03:48: Aber natürlich war dann irgendwann der Wunsch – mit Kindern und Praxis und sie war auch über Studienräte und hat die Familie gemanagt – also, in die Delegation zu kommen.

00:03:56: Und dann hatte sie in der zweiten Phase so ein, zwei sehr starke Mitarbeiterinnen – Glück gehabt.

00:04:03: Die haben das dann zur dritt letztlich gerockt, viele Jahre sehr erfolgreich, mit sehr viel Frauenpower nach vorne gebracht.

00:04:09: Und das war glaube ich so ein bisschen die zweite Phase.

00:04:11: Und ich würde sagen, jetzt seit zehn Jahren, seitdem Diana und ich das machen, haben wir dann das Team halt jetzt auf Richtung zwanzig, oder wir gehen jetzt über die zwanzig, ausgebaut.

00:04:18: Und jetzt sind wir doch deutlich in der dritten Phase, wo also natürlich im Idealfall die direkte Wertschöpfung durch Diana und mich immer unwichtiger wird.

00:04:27: Und natürlich die Führungsaufgaben immer mehr Raum bekommen dürfen und aber auch haben wollen.

00:04:32: Ja guck mal,

00:04:33: das ist ja wirklich eins zu eins übertragbar auf die Zahnarztpraxis.

00:04:38: Die Organisationslehre macht sich breit...

00:04:40: Egal in n welcher Branche:

00:04:41: Überall, wo People Business ist, ist sehr vergleichbar. Ja, so.

00:04:46: Dann jetzt wie versprochen

00:04:47: mal zur Zahnarztpraxis.

00:04:50: Ihr habt ja diesen ganz wunderbaren großen Datenpool und wenn wir über Wachstum und Gewinne reden, Wachstum und Gewinne, welche sind die Muster,

00:04:59: die du so erkennst?

00:04:59: Also in welchem Größenkorridor ist nach deiner Beobachtung der Relation zwischen eingesetzter Inhaberzeit und Gewinn so richtig ideal?

00:05:08: Kannst du da was einordnen?

00:05:09: Gibt es dazu etwas wo du direkt eine Antwort im Kopf hast?

00:05:15: Also, ich bin von Natur aus jemand,

00:05:17: ich bin sehr effizient und deswegen ... ich denke da oft drüber nach, wenn ich eine Praxis hätte, welche Größe würde ich ihr geben.

00:05:24: Interessanter Ausgangspunkt, ja!

00:05:25: Ja, so Input-Output.

00:05:27: Ich wurde das mal gefragt – so

00:05:28: Input-Output, weil das ist eigentlich die Frage die du stellst, ne?

00:05:32: Also ich meine, das ist jetzt eine grobe Vereinfachung.

00:05:35: Aber ich glaube, es ist schon so, dass wenn wir jetzt in Rentabilität denken, Prozent, was bleibt übrig?

00:05:40: Oder in: Ich habe X-Hunderttausend Euro investiert, wie viel Gewinn kriege ich raus?

00:05:45: Also diese Input-Output-Relation, was setze ich rein, was krieg ich raus:

00:05:48: Dann ist es

00:05:49: doch so, dass es nicht die großen Praxen sind, aber auch nicht die kleinen.

00:05:54: Das sehen wir oft in unserem Benchmark -Seminaren, das dann entweder starke Einzelpraxen, mit vielleicht einem oder zwei angestellten Zahnärzten und Zahnärztinnen, wenn sie denn in der Leistung sind,

00:06:05: und nicht diese kontinuierliche Fluktuation,

00:06:08: also: dann habe ich eine die funktioniert, dann wird sie schwanger, dann hab' ich einen der funktioniert, dann macht der sich selbstständig usw.

00:06:13: Wenn die nicht passiert, dann sind das eigentlich sehr gute Modelle.

00:06:16: Oft auch die Praxis dann randvoll, war ja eigentlich mal für mich geplant,

00:06:19: jetzt habe ich noch zwei andere, und dann kracht so auf allen Stühlen zu allen Zeiten.

00:06:23: Und dann natürlich die BAG.

00:06:26: Da kann man das dann eigentlich letztlich hochrechnen, also zwei Inhaber, zwei starke Inhaber oder drei starke Inhaber.

00:06:31: Das ist natürlich immer ein Traum.

00:06:33: Und dann halt zwei, drei, vier, fünf Angestellte Zahnärzte.

00:06:35: Die können da natürlich ein bisschen mehr führen.

00:06:38: Das ist in unserer Beobachtung so ein bisschen der Sweet Spot.

00:06:41: Und dadrüber kommt dann oft die Komplexität, die Ineffizienzen.

00:06:47: Ja, auch da wird dann viel toleriert.

00:06:49: Dann wird weggeguckt.

00:06:50: Dann läuft es meistens nicht mehr effizienter.

00:06:53: Es wird dann größer und der Gewinn wird sicherlich – hoffentlich – auch noch größer, wenn das Rad größer wird.

00:06:57: Aber das Rad muss immer viel viel größer werden, damit der Gewinner noch ein bisschen vorankommt.

00:07:00: Ja,

00:07:01: genau darüber wollen wir heute reden.

00:07:03: Ja, super, ich bin total dankbar schon für diese Ausführungen, die du gemacht hast. Genau, also ich bin schon dafür, dass man auch mit einer deutlichen Warnung arbeitet und da interessiert mich deine Meinung dazu.

00:07:13: Also: Leute, bleibt wirklich konsequent unter dieser Schwelle ab der Overhead nötig ist, um das Funktionieren des Gesamtsystems zu gewährleisten –

00:07:23: Was Overhead bedeutet, können wir gleich nochmal erläutern – oder geht kraftvoll drüber.

00:07:28: Also dies ist ja das, was so die unternehmerische Entscheidung dann auch ausmacht.

00:07:34: So, und erstmal glaube ich verständigen wir uns auf die Aussage: ab einer gewissen Größe kannst du nicht mehr alles selber machen oder Mikrosteuerung ansagen, sondern du brauchst ein System.

00:07:44: Ja, hundert Prozent!

00:07:47: Und da hast du gerade schon mal Einordnungen gemacht,

00:07:49: die decken sich auch mit dem, wie wir es so einordnen, das heißt eine Inhaberperson,

00:07:53: so ab dem dritten angestellten Zahnarzt wird irgendwie alles anders.

00:07:56: Da braucht man dieses System.

00:07:58: Da geht es so los. Und bei Inhabern – BAG sagtest du zwei, drei Inhaber,

00:08:04: da hattest du gerade fallen lassen,

00:08:05: also so drei, vier angestellte Zahnärzte gehen da durchaus auch noch, weil sich da Führung anders verteilt.

00:08:10: Habe, ich das richtig verstanden?

00:08:12: Ja, genau!

00:08:12: Also jetzt pauschal.

00:08:16: So, damit ist ja die erste Wachstumsschwelle schon mal umrissen und es ist eigentlich auch die zentrale Wachstumsschwelle.

00:08:24: Wie erlebst du jetzt, Beratungsunternehmen, hast du ja gerade noch spezifiziert,

00:08:27: wie erlebst du die Lage?

00:08:28: Wissen die Menschen so in der Regel, was sie da so tun, wenn sie, ich sag mal: acht neue Zimmer planen, oder Zahnarzt vier und fünf einstellen als Ein-Inhaberpraxis?

00:08:38: Erfahrungsgemäß nicht.

00:08:39: Deine Frage ist ein bisschen suggestiv und ich bediene sie gerne, weil es ist natürlich... Ja,

00:08:43: das ist gar nicht jetzt meine Erwartung,

00:08:44: also wenn du sagst, nen hör auf, mit der Suggestiv-Linie komm' ich nicht klar,

00:08:48: ich will das jetzt hier anders aufrollen,

00:08:49: ist das auch in

00:08:50: Ordnung!

00:08:50: Nein, nein, das war ein Scherz von mir.

00:08:53: Das ist völlig so und ich erlebe... Also, du hast gerade eben von der unternehmerischen Entscheidung gesprochen und ehrlich gesagt geht uns dann manchmal auch nicht anders.

00:09:00: Wir können ja auch predigen und trotzdem Fehler machen.

00:09:03: Die Entscheidung wird ja oft gar nicht getroffen, sondern it happens so.

00:09:06: Ja, also ich starte mal irgendwie fast immer allein oder ich kaufe eine Praxis mit einem angestellten Zahnarzt, die hat ja selten sechs angestellte Zahnärzte, wenn ich die kaufe und, naja, dann habe ich zu viel zu tun, zu viele Patienten...

00:09:17: Das ist zumindest das Charakteristikum von vielen unseren Praxen, dass man dann, ja, noch einen Stuhl dazu nimmt,

00:09:23: noch eine Ausbau-Möglichkeit findet, den Sozialraum wegnimmt, den woanders hin schiebt und dann kommt ein Zimmer nach dem anderen dazu, ein Zahnarzt nach dem anderen, 

00:09:29: warum?

00:09:30: Naja, weil man kann.

00:09:31: Also aus der Opportunität getrieben. Das ist ja oft gar keine bewusste Entscheidung. Und ehe man sich versieht, stolpert man da ein bisschen rein in diese Größen.

00:09:38: Und ich glaube, was jetzt noch dazukommt ist natürlich: Wenn ich kleiner bin, wird vieles auch zugedeckt.

00:09:43: Also von meinen starken Inhaber-Umsätzen lässt sich durchaus zudecken, dass die zwei angestellten Zahnärztinnen oder Zahnärzte vielleicht gar nicht so sich lohnen oder in der Leistung sind.

00:09:51: Zumindest wenn man nicht mit uns oder mit euch zusammenarbeitet. Dann sieht man das ja oft gar nicht.

00:09:55: Und dann fange ich also an, etwas zu kopieren bevor es funktioniert hat oder gut war. Und dann muss ich später halt sechs, sieben, acht Kopien fixen.

00:10:02: Was natürlich deutlich unschöner ist, als erst ein gutes System zu haben und dann zu skalieren.

00:10:06: Aber diese Versuchung ist glaube ich auch menschlich, immer weiter, immer größer, der erliegt man, glaube ich,

00:10:12: ohne bewusste Entscheidung ganz oft.

00:10:15: Ja, wir haben ja schon noch so'n bisschen die Ambition hier, ein paa rQuick-wins oder Messages to-go auch zu liefern und ich möchte das deswegen nochmal betonen:

00:10:23: Also dies Reinstolpern in die Größe, das ist schon nicht so ganz glücklich, weil das die Realität, den Alltag, den man dann dort erlebt,

00:10:31: der ist ja schon häufig der, den man sich gar nicht unbedingt so gewünscht hat.

00:10:35: Ja, da fängt es an!

00:10:37: Was will ich eigentlich für eine Praxisgröße?

00:10:38: Will ich eigentlich Behandler sein oder will ich andere Zahnärzte führen?

00:10:41: Genau. Will ich Unternehmer sein ...

00:10:42: Ja,

00:10:42: das heißt,

00:10:43: auch die Frage ist ja erstmal zu beantworten.

00:10:45: Weil, was soll das hier werden mit meiner beruflichen Lebensplanung?

00:10:47: Wie soll mein Alltag

00:10:48: aussehen?!

00:10:50: Und vielleicht auch, wo liegen meine Stärken?

00:10:52: Also, wir sind hier ja unter uns, also

00:10:54: ich habe durchaus die Erfahrung gemacht, dass Menschen dann große Systeme haben wollen und bewegen wollen, denen wirklich Führung, auch in ihrer dienenden Komponente, nicht in die Wiege gelegt ist.

00:11:08: Die einfach die Tore am liebsten selber schießen.

00:11:10: Das heißt, da sind wir sofort in der Herausforderung, das angestelltes Führungspersonal gebraucht wird, damit das Ganze überhaupt zum Funktionieren gebracht wird, weil man sonst eine kulturelle Delle hat, die so schnell nicht wieder rausgeht.

00:11:22: Ja,

00:11:22: absolut!

00:11:24: Okay, also dies reine Reinstolpern ist so ein bisschen schade, weil wenn man rechtzeitig bei euch anfragt und sagt, hier lasst uns mal über ein Wachstumsprojekt reden, da werden auf jeden Fall mal die Fragen gestellt, über die sich nachzudenken lohnt, richtig?

00:11:37: Absolut.

00:11:37: Ich meine, die Leute wundern sich manchmal, weil sie denken natürlich dann, dass ich das jetzt mit dem Excel-Sheet beantworte, ob man jetzt die Räume dazu nimmt, oder die Zahnärzte...

00:11:44: Das müssen wir im letzten Schritt auch tun.

00:11:46: Wenn da rauskäme, mach's nicht, dann machen wir es nicht.

00:11:48: Aber die ersten Fragen sind ganz andere, absolut:

00:11:52: Wo willst du hin?

00:11:53: Macht das Sinn?

00:11:54: Wie soll sich dein Arbeitsalltag anfühlen?

00:11:56: Und genau wie du sagst: Oft genug ist es ja so, dass man eigentlich, also, ich weiß nicht wie's bei euch ist, in eurer Wahrnehmung, aber dass viele Kunden oder viele Leute, Interessenten, die auf uns zukommen, eigentlich eine hohe Stressbelastung haben und auch eine gewisse Unzufriedenheit manchmal mit der Berufswahl.

00:12:11: Das sehen wir in KZV-Umfragen:

00:12:13: Drei Viertel, glaube ich, oder zwei Drittel der niedergelassenen Zahnärzte würden es nicht mehr tun, das ist ne Katastrophe.

00:12:18: Und wenn man die dann fragt, dann sagt ja eigentlich fast keiner, das kommt, weil ich den ganzen Tag Füllungen machen muss oder Endos oder ZE.

00:12:24: Das ist ja meistens der Teil, den man gerne macht und der Spaß macht.

00:12:28: Sondern es kommt mit dem Rest des Apparates, den man sich dann aus Versehen so hingebaut hat.

00:12:32: Daraus erklärt sich auch der riesige Run ins Anstellungsverhältnis.

00:12:35: Also das ist ja auch ein großer Faktor:

00:12:37: Menschen, die ich so sehe teilweise... wirklich junge, total potenzialstarke Zahnärzte,

00:12:42: wo ich die Hand dafür ins Feuer gelegt hätte noch vor, was weiß ich, fünf Jahren, acht Jahren, dass die sich irgendwann niederlassen,

00:12:47: da sagen die absolut glaubwürdig inzwischen: Ich bin doch nicht bekloppt!

00:12:51: Also das ist nicht mein Ziel.

00:12:52: Das hat sich wirklich total gedreht und es liegt genau an dem, was du gerade sagst, vielleicht auch an den gesteigerten Risikostufen, weil ... führt jetzt ein bisschen weit,

00:13:01: aber die Niederlassungsfinanzierung, also was mittlerweile die Neugründung kostet,

00:13:05: das ist ja schon eine sportliche Finanzgröße und damit eine sportliche Verschuldung, genau.

00:13:10: So, jetzt mal zurück zu unserem Thema.

00:13:12: Also eine typische Situation.

00:13:13: Es klopft jetzt jemand bei dir an und sagt, Christian, jetzt kennen wir uns vier Jahre,

00:13:17: du hast mich ja schön begleitet bei der Gründung.

00:13:19: Läuft alles super!

00:13:20: Und jetzt will ich den längsten Schritt gehen.

00:13:23: Sonst könnte mir vielleicht langweilig werden.

00:13:24: So... Hab' ich tatsächlich häufiger gehört.

00:13:26: Du nickst, ja, hast du ja auch gehört?!

00:13:28: Ja, deswegen

00:13:28: lache ich.

00:13:30: Ist ja schon: sonst könnte mir langweilig werden.

00:13:32: Was empfiehlst du dann?

00:13:33: Was sagst du denn?

00:13:34: Wie ist die Herangehensweise?

00:13:36: Dass du nicht nur einen Satz sagst, ist klar.

00:13:39: Also ich hab jetzt deswegen gelacht, weil tatsächlich ist das sozusagen das Schlimmste, was dir eigentlich fast passieren kann, hört sich blöd an,

00:13:44: ist dass du mit 38 jetzt drei vier Jahre in der Praxis bist und es läuft einfach super gut.

00:13:48: Und dann ist ja die Frage, mache jetzt 30 Jahre so weiter oder was?

00:13:51: Ja und das ist eigentlich die Frage, um die sich dann, finde ich, bei mir erst mal alles dreht.

00:13:56: Also die erste Frage ist eigentlich, in welcher Lebensrealität bist du?

00:13:59: Hast du kleine Kinder, gerade?

00:14:00: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt zu expandieren, zu wachsen? Oder hast du kleine Kinder, oder die haben gesundheitliche Herausforderungen,

00:14:07: oder du hast gesundheitlich Herausforderungen 

00:14:09: und gerade deswegen musst du jetzt entlasten und delegieren und wachsen.

00:14:13: Also da geht es mir eigentlich immer ganz stark um die Motive, um das zu verstehen, damit wir wirklich die richtigen Entscheidungen treffen

00:14:18: und eben dieses opportunistische, getriebene... Wir haben's einfach gemacht, weil es ging, nach Möglichkeit zu vermeiden.

00:14:26: Die Aspekte, wie würde sich das für dich anfühlen,

00:14:29: Wenn du jetzt weniger selbst behandelst und mehr angestellte Zahnärzte und Praxisteam führst?

00:14:34: Das muss kein Ausschlusskriterium sein, wenn du das nicht willst,

00:14:37: du hast es eben schon angeschnitten,

00:14:38: aber dann müssen wir eben gleich mitdenken, dass wir Strukturen brauchen, die dich darin unterstützen.

00:14:42: Und das bedeutet, dass wir dann vielleicht nicht ein oder zwei... also, mit einer Struktur die zu klein ist, um eine Struktur zu tragen, die du auch noch bezahlen musst,

00:14:51: die führt, ne?

00:14:52: Du brauchst dann schon eine gewisse Größe!

00:14:54: Das ist eigentlich deine Frage... mutig drüber gehen!

00:14:55: Ja, da gehen wir gleich mal hin, zu der Todeszone, genau.

00:14:58: Genau –

00:14:59: und da versuche ich immer am Anfang so ein bisschen rauszukitzeln, von was reden wir?

00:15:02: So, eine angestellte Zahnärztin kannst du dazunehmen, ohne eine Führungsstruktur zu etablieren.

00:15:06: Du hast es eben schon gesagt: Beim dritten,

00:15:08: erfahrungsgemäß, wird's dann schwierig ... und lass uns diese Entscheidung bewusst treffen.

00:15:12: Was möchtest du?

00:15:12: Was macht dir Spaß?

00:15:13: Was muss jemand anderes machen?

00:15:15: Und dann kommt irgendwann das Excel-Modell, wo man vielleicht mal sagen kann: gut, haben wir genug Patienten, wie würde es sich rechnen?

00:15:20: Und so weiter und sofort.

00:15:21: Also erstmal die Motivation klären und dann die Rolle klären usw.

00:15:24: Und dann kann es irgendwann in die Daten gehen.

00:15:27: Die Erwartungshaltung ist wahrscheinlich manchmal anders.

00:15:30: Wenn man so ... Ja.

00:15:31: Der Erwartungshaltung ist: Rechne mal aus, ob das Sinn macht.

00:15:35: Manchmal kann man sich auch noch in der kleineren Größe halten wenn dann wirklich nicht der dritte Zahnarzt kommt sondern vielleicht eine DH, dass irgendwie ein konservierendes Konzept aufgebaut wird.

00:15:44: So jetzt gehen wir zum Thema Todeszone.

00:15:47: Ein Beraterkollege hat das mal so formuliert.

00:15:49: Ich fand den Begriff super!

00:15:51: Nur die Einordnung, wo ist denn jetzt Todeszone?

00:15:54: Das ist ja jetzt so die Frage.

00:15:55: Also ich erläutere nochmal eben für die Menschen, die uns zuhören, was damit gemeint ist: Also, um die wachsende Mehrbandlerpraxis in den Griff zu bekommen, also die Potenziale auch freizusetzen, die jetzt dem Konzept der Größe innewohnen, gleichzeitig auch die stimmige Mitarbeiterbindung zu erzeugen...

00:16:09: Also da brauchen wir Investition in Overhead, also genau in die Prozesse,

00:16:12: du hast es gerade schon kurz ausgeführt Christian,

00:16:14: ich wollte es noch mal kurz verdeutlichen:

00:16:16: Prozesse, Strukturen und Mitarbeitende, die sich eben leitend und verantwortlich um das Funktionieren der Gesamtpraxis kümmern.

00:16:22: Die kleine Praxis braucht es nicht.

00:16:24: Die größere braucht's auf jeden Fall, sonst bleibt sie nämlich so dauerhaft im Drama-Unruhe-Modus stehen.

00:16:29: "Rüttelplatte" ist ja auch das schöne Wort, das wir dafür geprägt haben.

00:16:33: So und dann ein typischer Teil dieses Overheads ist beispielsweise die Teamleitungsstruktur.

00:16:37: Dann kommt dazu, dass sich die Behandlungsstunden auf den Chefplätzen reduzieren, um die Arbeit eben an der Praxis tun zu können.

00:16:44: Dann gibt's den Ausbau von Strukturen an verschiedenen Stellen, die Kommunikationssoftware, also jede Menge Dinge, die man in der kleineren Praxis nicht braucht.

00:16:50: Es ist auch viel mehr zu regeln als in der kleineren Praxis, weil eben nichts mehr auf Zuruf läuft.

00:16:55: Und Effizienz, hast du gerade gesagt,

00:16:57: Effizient darf organisiert werden, die fällt nicht vom Himmel. Bedeutet: dass da ganz viele Strukturierungskomponenten und so weiter

00:17:04: reingehen.

00:17:04: Daten auch, darüber reden wir gleich noch. So.

00:17:07: Das heißt, das kostet alles ganz viel Geld.

00:17:09: Man braucht eben auch eine Führungspersonen mehr oder zwei...

00:17:12: So, jetzt die Preisfrage an dich lieber Christian, wieviel ....

00:17:17: Also, wir nehmen jetzt mal das Beispiel von der Ein-Inhaber-/Ein-Inhaberin-Praxis.

00:17:21: Also eingekreist nach unten hatten wir das schon.

00:17:23: Ab dem dritten Angestellten Zahnarzt geht es auf jeden Fall los, dass diese Investitionen in den Overhead nötig sind, um das Funktionieren des Gesamtsystems mit entsprechenden Renditen und Stabilität auch bahnen zu können.

00:17:35: Wie viele Behandler?

00:17:37: Wie viel Teamgröße darfs denn so sein, damit sich die Kosten des Overheads auch angemessen verteilen und Geld verdienen funktioniert auch in der größeren Struktur?

00:17:49: Ich glaube, hier gibt es jetzt keine absolute Antwort.

00:17:51: Aber ich würde, also wenn wir jetzt gerade eben von der einen Zahnärztin oder einem Zahnarzt mit drei angestellten Zahnärzten sprechen, reden wir von vier Behandlern.

00:17:58: Die haben ja letztlich dann immer noch mal acht ZFAs hinten dran, Köpfe sogar oft mehr, vielleicht sogar zehn oder zwölf. Vier

00:18:05: ZMPs oder DH noch?

00:18:06: So,

00:18:07: vier ZMPs oder so, in Teilzeit sogar vielleicht noch mehr, und dann noch die entsprechenden ZMVs, Abregungsfachkräfte und Empfangsleute.

00:18:13: Das heißt da sind wir eigentlich schon auf der Rüttelplatte bei 20 bis 25, irgendwo vielleicht in der Größenordnung.

00:18:21: Und ich würde schätzen, ich habe es ehrlich gesagt nie komplett ausgewertet, aber aus meiner Erfahrung so, du musst eigentlich dann schon Richtung 35 und mehr gehen, weil allein die drei, vier, fünf, die du auf einmal mehr an Bord hast, um die Komplexität und das Team und die Teams zu managen, ist schon klar, dass die ja auch wieder reingeholt werden müssen.

00:18:38: Also jetzt ganz mit dem dicken Daumen.

00:18:39: Ich weiß nicht wie's deine Einordnung?

00:18:41: Ja, genau.

00:18:42: Aus den Ärmelschütteln kann ich mir das jetzt auch nicht, weil es ist ja schon auch das, was immer so ein bisschen davon abhängt,

00:18:47: wie immer, hängt immer davon ab, blöde Antwort, aber vieles hänkt immer davon ab.

00:18:51: Genau, wenn wir erstmal über Behandler-Teams nachdenken und das auch mal ins Bewusstsein rufen: Es ist ja nicht der eine Zahnarzt, die eine Zahnärztin, es sind genau dann die weiteren zwei Assistenzen und genau die weitere Prophylaxe-Kraft.

00:19:00: So baut man es ja dann auch solide auf.

00:19:03: Sonst wird ja die Therapie verwässert.

00:19:04: Das heißt, mit jedem Zahnarzt kommen im Grunde vier Personen.

00:19:07: Also, eins plus drei wenigstens.

00:19:09: Manchmal bei Teilzeit noch mehr und dann sind wir, würde ich sagen, also bei fünf angestellten Vollzeit-Äquivalenten oder Vollzeit fünf bis sechs Behandelteams sind das schon?

00:19:20: Ja, in der Größenordnung, ja.

00:19:21: Genau!

00:19:22: Und das ist so meine Beobachtung, mich interessiert jetzt deine: Davor schrecken dann schon Menschen auch zurück.

00:19:29: Ja, weil natürlich sich dann, was wir vorhin hatten, a) deine Rolle ändert, b) dass es eben dann nicht der dritte oder der vierte Zahnarzt ist, sondern du weißt ja, ich treffe jetzt eigentlich die Entscheidung für die nächsten drei irgendwo.

00:19:39: Ich brauche die Räume, als die Investitionssummen ... Was ich vorhin sagte, die Selbstwirksamkeit, die man ja in den ersten Jahren in der Selbstständigkeit auch irgendwie gewohnt ist, die man loswerden will, weil man will ja eigentlich delegieren.

00:19:53: Man will ja weg von: ich mache alles. Aber ein Stück weit ist sie auch beruhigend.

00:19:56: Ich kann immer den Karren aus dem Dreck ziehen, wenn ich eine angestellte Zahnärztin oder einen Zahnarzt noch habe.

00:20:01: Das schaffe ich schon als Inhaber, dann wird's halt unangenehm, aber es geht.

00:20:04: Die gebe ich endgültig ab wenn ich in diese Größenordnung gehe.

00:20:06: Also zumindest kann ich es nicht mehr direkt am Stuhl.

00:20:09: Wenn ich es nicht mache, dann habe ich Hamsterrad hoch fünf.

00:20:11: Dann bin ich angezählt und Burn-out ruft schon an der nächsten Ecke.

00:20:15: Genau!

00:20:15: Und dann geht damit natürlich in der Größenordnung immer auch einher eine Umfirmierung in eine MVZ-GmbH eigentlich.

00:20:20: Weil wenn ich so viele Zahnärzte jetzt beschäftigen will, kann ich das zumindest in einer Einbehandlerpraxis eben schon gar nicht mehr tun.

00:20:26: Dann haben wir den entsprechenden Rattenschwanz organisatorisch, steuerlich, Rechtsanwaltsgebühren

00:20:30: und so weiter

00:20:30: da natürlich auch noch mal hinten dran. Was die Folge hier umso wichtiger macht, weil man sich glaube ich sonst gar kein Bild macht was alles dahinten dann noch kommt.

00:20:38: Ja, deswegen bin ich super dankbar gerade für deine Ausführungen auch ein Prozess mal zu Ende zu denken.

00:20:43: Genau, also so, ihr habt es gehört, also rund um 35 Personen, die sollten's dann schon werden, so fünf, sechs Behandler-Teams müssen es schon sein, damit das tatsächlich wirtschaftlich trägt, also damit die Pluskosten im Overhead, ja, mit entsprechenden Umsätzen belegt sind, aus denen heraus dann wieder ausreichend Gewinn entstehen kann.

00:21:01: Was ist anders, Christian,

00:21:03: wenn wir zwei Inhaber/Inhaberinnen haben, wie würdest du es dann einruckeln?

00:21:08: Gut die Führungsspanne hast du natürlich dann zweimal.

00:21:11: Du hast aber natürlich, wo kein Weg dran vorbeiführt, ist natürlich, dass du trotzdem in diese Größenordnung mindestens vorstoßen musst.

00:21:18: Du kannst sicherlich ein Stück weit noch mehr führen, wenn du zwei oder drei Inhaber hast.

00:21:22: Ja, da haste wahrscheinlich eine Person vielleicht weniger auf der Payroll in einer Leitungsposition.

00:21:27: Aber im Großen und Ganzen, die organisatorische Komplexität, die kommunikative Komplexität, den menschlichen Faktor, die ganzen Köpfe, die geführt werden wollen... Und am Ende irgendwann auch da die MVZ-Gründung, die neuen Zimmer, die investiert werden wollen, das Recruiting, das Hiring, das Professionalisieren des Personales hast du alles auch.

00:21:41: Ja.

00:21:42: Ich bin dir so dankbar, das kam ja gerade so rausgeflossen aus deinem Mund.

00:21:47: Ja, herrlich!

00:21:49: Genau das ist es alles und das ist mir wirklich so wichtig, dass wir das verständlich machen und wir die Menschen auch davor schützen, wirklich in Konstrukten zu landen, die ihn dann vielleicht am Ende gar nicht entsprechen,

00:22:00: wo aber was aufgebaut wurde, was sich so schnell ja auch gar nicht rückabwickeln lässt?

00:22:05: Ja, klar. Du kannst es nicht einfach rückabwickeln, weil du hast ja Schulden,

00:22:09: normalerweise, für die Investitionen getätigt.

00:22:11: Du kannst auch nicht einfach Leute entlassen in Deutschland, noch nicht mal wenn's dir so mittelprächtig oder schlecht geht.

00:22:16: Das ist ein Ego-Problem sowas zurückzubauen.

00:22:18: Du kannst das auch ganz schlecht verkaufen, insbesondere wenn's nicht läuft.

00:22:22: Weil so große Praxen sich dann natürlich auch nicht gut verkaufen und am Ende fühlt es sich dann halt, glaube ich, auf vielen Ebenen nicht gut an.

00:22:29: Also das ist dann auch glaube ich echt unangenehm für die eigene Persönlichkeit, wenn es nicht aufgegangen ist irgendwie, unabhängig vom Finanziellen vielleicht.

00:22:37: Kratzt am Ego glaube ich auch irgendwo.

00:22:40: Ja, dann sich eine Niederlage einzugestehen oder wirklich auch sagen, so jetzt mache ich kleiner, das bedingt schon auch menschliche Reflektionsbereitschaft, auch Größe irgendwo, also das mit sich ausmachen zu können, genau.

00:22:52: So, wenn wir jetzt noch mal einen Schritt weiter denken, ans obere Ende der Skala... Also ich kann das nicht begründen,

00:22:58: aber was ich wirklich beobachte, ist dass so rund um 70 Leute, dass da so ein weiterer Marker ist.

00:23:05: Weil ich wirklich zu viele Praxen sehe, die mit 90 und 95 Personen richtige Schwierigkeiten haben, in angemessene Renditen zu kommen.

00:23:14: Ja, ihr seht jetzt nicht den Gesichtsausdruck, den ich sehe, aber Christian kann da was zusagen, das kriege ich gerade schon hier signalisiert.

00:23:20: Deswegen

00:23:21: macht das immer so einen Spaß mit dir, weil wir so viele gleiche Erfahrungen habenund auf die Dinge auch oft ähnlich gucken.

00:23:26: Ich mache die gleiche Erfahrung.

00:23:27: ich weiß jetzt nicht, ob ich genau die gleiches Zahl genannt hätte, aber in der ... 

00:23:30: Welche hättest du genannt?

00:23:31: Definitiv, also spätestens bei 100.

00:23:33: Ich würde sogar wirklich sagen, bei 70, 80

00:23:35: tatsächlich – wahrscheinlich ist das dann, glaube ich, ein Mittelständler und ein Unternehmen im eigentlichen Sinne oder so eine Art kleiner Konzern oder ich weiß nicht was der richtige Begriff im Deutschen dafür ist, aber da ist der Inhaber dann eigentlich nur noch ein ganz kleines Teil und das Ding ist ein eigenes Wesen eigentlich.

00:23:51: Und dazwischen passiert definitiv irgendetwas und ich glaube etwas unter anderem passiert,

00:23:56: das habe ich auch selbst in Unternehmen immer wieder gesehen, wo ich gearbeitet hab, bei 35 und bei 40 und bei 45 kennst du noch alle.

00:24:02: Nicht nur die Namen, sondern du hast auch ein Konzept davon.

00:24:05: Jeder hat ein grobes Konzept von: Wer ist das?

00:24:07: Wo kommt der her?

00:24:09: Vielleicht am Sommer fest auch die Gelegenheit, die Kinder und den Gatten kennen zu lernen.

00:24:12: Und es hat eine gewisse Menschlichkeit, ein gewisses Verständnis und man hat Kontext über den anderen.

00:24:17: Und bei 70, 80 geht das verloren!

00:24:19: Du willst es nicht mehr, du kannst es nicht mehr.

00:24:20: Du siehst Gesichter, die da rumlaufen, beim vierten Mal fragst du dich, arbeitet der hier?

00:24:23: Aber genau genommen ist es mir eigentlich auch egal, ob das jetzt der nächste Werkstudent ist oder der fünfte Azubi, der morgen nicht mehr kommt. Und dann wird es anonym.

00:24:30: Dann sind noch mal ganz andere Dinge gefragt, weil bis dahin führst du ja sehr stark am Ende trotzdem das Ding immer noch nach den Werten der Inhaber, aus denen das alles entstanden ist, nach der Philosophie, die die Inhaber irgendwann dort implementiert haben.

00:24:43: Und all diese Dinge werden ab einer gewissen Größe dann auch beliebig und austauschbar und dann ändert sich echt nochmal alles.

00:24:49: Ich mache die gleiche Beobachtung!

00:24:50: Ja, vielleicht lässt sich das echt auf das Phänomen der Führungsspanne zurückführen.

00:24:54: Weil Führungsspanne so eins zu sieben ist ja das, mit dem wir in den Zahnarztpraxen gute Erfahrungen gemacht haben, also, was weiß ich, Assistenzteam rund fünfzehn Leute, zwei Leute dann in der Assistenz-Teamleitung.

00:25:05: Also wir brauchen natürlich ein gutes Mittelmanagement, Teamleitung.

00:25:08: Wenn man dann so überlegt, wenn du von der obersten Etage, du musst ja deine Führungskräfte führen, also das Mittelmanagement, und wenn du auch mit diesem eins zu sieben mal arbeitest, dann kannst du halt maximal so einen 50-Leute-Radius in Summe vernünftig führen.

00:25:20: Wie auch immer. Und auch bei zwei Inhabern/Inhaberinnen ist ja auch nicht gesagt, dass beide sich in der Führung beteiligen.

00:25:25: Das bedeutet nicht automatisch, dass es funktioniert.

00:25:28: Vielleicht ist das ein Erklärungsansatz dafür auch, ergänzend zu dem, was du gesagt hast.

00:25:33: Ja.

00:25:33: Sonst

00:25:34: hast du die nächste Schicht, wenn du noch eins größer werden willst, dann hast du die dritte Schicht oder die vierte Schicht im Prinzip aufgebaut, ne?

00:25:39: Dann hättest du sieben mal sieben mal sieben.

00:25:41: Mögliche, ach das ist auch interessant, ja.

00:25:42: Das gibt

00:25:42: es nicht oft in Praxen.

00:25:44: Ja gut, Praxisgruppen oder Praxisketten ist ja noch ein ganz eigenes Phänomen.

00:25:49: Genau!

00:25:50: Prima, so,

00:25:50: das heißt,

00:25:50: das haben wir nach oben jetzt auch schonmal abgegrenzt.

00:25:52: Sehr gut und ich möchte jetzt nochmal kurz zu der Frage kommen, wie wir diese Komplexität...

00:25:58: Also die Komplexigkeit steigt ja wirklich exponentiell.

00:26:01: Ab dieser ersten Wachstumsstufe jetzt rund um 20 Personen steigt sie exponentiell, schon alleine weil eben viele Menschen kommen, Wechselwirkungen nehmen zu ...

00:26:10: Ist das bei euch in der Beratung auch ein Thema?

00:26:12: Also benutzt ihr den Begriff Komplexität? Arbeitet ihr damit?

00:26:16: Wie schlüsselt ihr das auf wenn, ihr das so greifbar machen wollt?

00:26:20: Ja, also das ist eigentlich das Wort, das mir immer direkt kommt tatsächlich.

00:26:23: Ich sage auch immer: Die Komplexität steigt im Quadrat. Und das kann man ja letztlich veranschaulichen.

00:26:29: Also die Kommunikationswege: zwischen uns beiden ist es genau einer.

00:26:33: Wenn wir eine andere Person dazu nehmen, sind es schon drei, wenn wir noch eine dazunehmen ... so.

00:26:36: Und so wie das bei Kommunikation funktioniert, funktioniert das bei allen anderen Dingen eben auch.

00:26:41: Und dann kommt natürlich das Thema Bürokratie, das eng damit verbunden ist.

00:26:46: Wenn wir zu dritt, zu viert, zu fünft sind, dann müssen wir nicht jeden Sonderfall regeln.

00:26:49: Aber je mehr Leute wir haben, desto mehr Dinge wollen geregelt werden, destso mehr Ausnahmen gibt es und desto besser muss definiert werden, wo die Ausnahme endet und warum sie gemacht wurde.

00:26:57: Und dann müssen es alle wissen, alle mitbekommen haben und dann wird sehr schnell komplex, absolut.

00:27:02: Genau, so das kann man aufschlüsseln in drei Bereiche,

00:27:06: um jetzt die Komplexität tatsächlich in eine Agenda jetzt zu übertragen; also wir arbeiten dann jetzt in unseren Academy-Inhalten mit drei Handlungsfeldern.

00:27:12: Das ist Führung und Kommunikation, als zweites, Prozesse und Strukturen und, 

00:27:17: ja, das dritt,e Datensteuerung und Betriebswirtschaft.

00:27:20: Und da wir jetzt hier den absoluten Datencrack im Podcast haben – natürlich wirken die drei Bereiche absolut zusammen –

00:27:27: aber jetzt zum dritten Bereich, Datensteuerung, BWL:

00:27:31: Da möchte ich schon noch mal von dir Christian, als profilierter Experte, wissen, worauf kommt es denn so im Kern an, wenn sich Praxisinhaber/-innen überlegen, mehr mit Daten zu arbeiten?

00:27:41: Also wann ist das Arbeiten mit Daten tatsächlich wirksam?

00:27:48: Wenn ich nicht mit Daten arbeite, dann arbeite ich mit Gefühlen, oder? Dann arbeite ich intuitiv.

00:27:53: Und da gibt es natürlich Zahnarzt-Unternehmer, die ein intuitiv richtiges Gefühl haben und gut entscheiden und intuitiv schlecht entscheiden, so.

00:28:00: Dann haben wir eine gewisse Selbstselektion, also ich glaube, die ständig schlecht Entscheidenden, die sehe ich jetzt wahrscheinlich eher selten, du wahrscheinlich auch.

00:28:07: Man sieht dann ja schon die, die irgendwie vorwärts kommen – mal gut, mal schlecht entscheiden. Und eigentlich wird es ja dann... Also das betrifft die eigene Behandlung als auch die gesamte Praxisteuerung irgendwie, ne?

00:28:17: Und dann geht's natürlich oft nach Bankkonto. Und das funktioniert ja auch, wenn ich jetzt nicht viel investiere.

00:28:22: Aber natürlich fliegt es spätestens dann aus der Kurve, was wir vorhin hatten, wenn mein eigener Beitrag immer kleiner wird und ich mich nicht durch Sprints, durch Spurts, durch Reinhauen, durch kleinere Urlaube oder durch Selbstausbeutung einfach eben nicht mehr aus dem Schlamassel im Notfall befreien kann – oder wenn die Bank kommt oder, oder, oder.

00:28:38: Das heißt, immer wenn ich anfange zu multiplizieren, muss sich eigentlich wissen, macht er sechste, der fünfte, der dritte, der vierte, der zweite Zahnarzt eigentlich einen Umsatz, der noch die Kosten deckt.

00:28:49: Sonst macht es meistens keinen Sinn.

00:28:50: Das kann eine Einzelgründe geben, warum das anders ist und dasselbe gilt für die Prophylaxe.

00:28:54: Wir denken dann ja schnell in Abteilungen.

00:28:56: Wenn wir ei Eigenlabor haben, kommt das auch noch dazu. Und ich bin ein Verfechter und ich weiß, dass du das wahrscheinlich genauso siehst oder ziemlich sicher genauso siehst,

00:29:02: dass wir heute Praxis nicht mehr so betreiben können, dass wir sagen: Ja, die Prophylaxe machen wir, damit wir die Patienten binden und Geld verdienen nur im ZE. Oder: das Labor, das machen wir nur, weil es uns hier schön die Versorgung am Ort in einer Sitzung ermöglicht.

00:29:16: Alles gut, ja.

00:29:16: Das ist sicherlich wichtig,

00:29:17: ein eigenes Meisterlabor mit einer guten Qualität für viele Praxen.

00:29:20: Aber am Ende müssen diese Bereiche alle ihren Gewinnbeitrag haben und da fängt es dann halt schon an:

00:29:26: Wo kriege ich denn die Info? vom Steuerberater?

00:29:29: In aller Regel nicht!

00:29:30: Da krieg' ich eine BWA für die Gesamtpraxis und dann Good Luck, rauszufinden, ob sich das alles rechnet.

00:29:36: Über viele Standorte brauchen wir gar nicht reden.

00:29:38: Dann ist natürlich sowieso alles vorbei, weil an dem anderen Standort bin ich ja nicht.

00:29:41: Ich kann zu jeder Zeit nur in einem sein.

00:29:43: Das heißt, mein Gefühl kann sich auch immer nur auf einen Standort und eigentlich immer nur auf die ein, zwei Zimmer, die ich bespiele, beschränken.

00:29:48: Was in den Anderen abgeht, weiß ich ja gar nicht.

00:29:51: Okay, das heißt Management by Kontoauszug,

00:29:53: das geht jetzt in einer kleinen Praxis, die gut steht und gut wirtschaftet, wo wir ein Privatentnahme-Verhalten, das angemessen ist,

00:30:00: kann das funktionieren.

00:30:01: Und sobald es eben mit Angestellten funktioniert in der Leistungserbringung, ja, das höre ich bei dir raus ist auf jeden Fall die Datensteuerung sehr sinnvoll.

00:30:09: Und dann eben nicht nur die Daten zu haben, sondern auch wirklich aktiv mit ihnen zu steuern, das ist ja nochmal etwas zweites.

00:30:17: Für mich ist der erste Schritt immer eigentlich das Verständnis und die Transparenz, oder?

00:30:19: Erst mal müssen wir alle verstehen, wie es aussieht.

00:30:22: Und dann hast du natürlich immer durch einen Fremdabgleich oder durch Erfahrungen von dir oder von euch, von uns, die Möglichkeit zu sagen, okay, wo sind Potenziale?

00:30:31: Wo heben wir nicht die Potenziale, die wir heben können?

00:30:33: Nenn es Benchmarking, nenn es Zeitreihenvergleich mit dir selbst, vergleich mit anderen Praxen.

00:30:37: Berater die Dinge sehen.

00:30:40: Meine Erfahrung... dass Benchmark-Seminare teilweise sehr nützlich sein können, aber natürlich ist kein Vergleich perfekt.

00:30:46: Das heißt so eine, auch wenn es jetzt ein bisschen Self-Serving ist, aber so eine beraterliche Erfahrung, wo dann nochmal viele andere auch weiche Aspekte und viele Praxen, die man gesehen hat, reingehen, ist, glaube ich, durchaus auch immer noch mal hilfreich.

00:30:58: Der Blick von außen, weil natürlich ist am Ende nichts vergleichbar. Und das, für die Inhaber, ist, glaube ich, erstmal der erste Erkenntnisschritt.

00:31:05: Wenn wir kein Problem haben, ist es cool, dann können wir uns ganz entspannt überlegen, wie wir die Praxis weiterentwickeln.

00:31:10: Und oftmals ist es natürlich dann aber so, dass wir in einzelnen Praxisbereichen oder bei einzelnen Leistungserbringern, Umsatzerbringern eben Kennzahlen haben, die gar nicht gut sind.

00:31:19: Klar, und dann geht's im nächsten Schritt darum, zu schauen, wie können wir da Hilfestellung leisten – als Inhaber,

00:31:23: als Praxisteamleiter, oder wie auch immer, um die Situation dann lokal zu verbessern, wo auch immer

00:31:29: sozusagen die Fehlstellung ist, ja.

00:31:31: Ja, dann wirklich auch mit Kennziffern zu arbeiten auf Teamleitungseben und dann, das, ja auch die Geschichte hinter den Zahlen und das aufs Handeln übertragen, genau, das ist dann der erfolgstragende Prozess.

00:31:42: Jetzt noch mal bevor wir gleich zum Abschluss kommen, gibt es auch Menschen, wo du sagen würdest: Hey, du übertreibst aber schon so ein bisschen mit den Daten, also mach mal weniger und guck mal auch woanders hin?

00:31:51: Ja, ich bin ja echt einen Zahlenmensch und ich glaube in der Branche sehen mich auch viele so.

00:31:57: Deswegen fragen mich ja viele oft, rechnet sich das? Aber genau, absolut, ich glaube, das kam jetzt hoffentlich ein bisschen rüber in der Folge:

00:32:03: Unsere Werte sind ja eigentlich eben nicht, es geht um Zahlen und irgendwie Gewinnmaximierung, sondern es geht immer eigentlich um den Inhaber, um die Menschen, die dort arbeiten oder die Menschen die dort behandelt werden.

00:32:13: Und man kann eben nicht alles in Zahlen ausdrücken und man sollte und muss auch nicht alles in Zahlen ausdrücken.

00:32:17: Und ich finde, für mich ist es... Ich sage das eigentlich immer so: Die Zahlenbeschäftigung ist für mich eine Möglichkeit.

00:32:24: Ich habe ein Feedback-Loop, oder? Ich mache irgendwas und wenn ich keine Zahlen hab, dann weiß ich gar nicht, ob es funktioniert.

00:32:30: Aber die Zahlen geben mir die Möglichkeit, objektiv zu erfahren, wie gut das funktioniert, was ich da tue.

00:32:36: Und dann haben wir in der Beratungssituation oder in einem guten Praxisteam eben auch so Ideen, was wir anders tun könnten.

00:32:43: Das machen wir mit dem Ziel, effizienter zu werden, zum Beispiel.

00:32:46: Dann müssen wir schon in sechs oder drei Monaten mal messen, bb sich die Zahlen in die richtige Richtung bewegt haben.

00:32:52: Und was ich oft beobachte ist, dass ich immer sage, wir trainieren eigentlich einen unternehmerischen Muskel.

00:32:56: Das heißt, wenn Kunden neu bei uns zum Beispiel sind, dann arbeiten wir am Anfang sehr viel und sehr intensiv mit Zahlen.

00:33:02: Ich muss sehr viel erklären und sehr viel Kontext und Wissen aufbauen.

00:33:06: Und irgendwann merken die Kunden ja eigentlich automatisch, mit Ausnahme der Delegation, aber so im Grunde auf der Praxisebene, wie Dinge funktionieren und welche Handlungen zu welchen Ergebnissen führen.

00:33:17: Und dann braucht man Zahlen immer noch, aber man muss sich nicht sklavisch dran festhalten.

00:33:20: Sie sind ein Tool, das ich nehme und das ich im Hintergrund habe.

00:33:23: Ich kann aber mit zunehmender Erfahrung auch oft schon situativ spüren, wo Fehlstellungen sind und dann kann ich mir die Zahlen noch mal holen, wenn ich es brauche.

00:33:32: Du weißtm was ich meine?

00:33:32: Das ist ein Muskel, den man eigentlich trainieren muss.

00:33:34: Total spannend wie du das ausführst,

00:33:36: ja!

00:33:36: Es ist genau das: zu verstehen, wie so einen Behandlungstag sich in Zahlen übersetzt.

00:33:40: Und also das ist auch das, was dann beim zahnärztlichen Coaching die Herausforderung ist, tatsächlich auch zu vermitteln,

00:33:45: wie entsteht ein effizienter Tag und was kann man da anders machen?

00:33:49: Und dafür braucht es natürlich schon auch ein paar Detail-Daten.

00:33:53: Ja, prima!

00:33:55: So, wir kommen hier mal so zu unseren letzten Aspekten.

00:33:58: Wenn du jetzt mal so guckst, Vergangenheit, Zukunft auch so längere Strecken beobachtest in diesem dynamischen Markt.

00:34:07: Was empfiehlst du Praxisinhaber/-innen, Entscheidungsträgern in Zahnarztpraxen?

00:34:11: Was braucht doch manchmal mehr Aufmerksamkeit als die Aufmerksamkeit, die dort investiert wird?

00:34:22: Das Allerwichtigste wär mir tatsächlich, dass man öfter an der Praxis arbeitet.

00:34:26: Dass man diese strategische Komponente mitdenkt, dass man weniger opportunistisch getrieben ist. Die Versuchung, mehr Patienten zu bedienen,

00:34:33: die ist immer groß und ich bin da gar nicht dagegen zu wachsen.

00:34:35: Wir wachsen mit unseren Kunden regelmäßig und sehr gerne, aber eben bewusste Entscheidungen herbeizuführen: weil ich eben, ich

00:34:43: weiß nicht, ob ich das heute schon gesagt hab, aber wir beobachten ja eigentlich über die letzten 35 Jahre, seitdem unsere Firma am Markt ist, dass die Zahnärzte eigentlich immer mehr in die freie Marktwirtschaft kommen und der Prozess ist nicht abgeschlossen.

00:34:55: Wir kriegen jetzt die nächste Runde der Reformen und viele der Zwänge, viele der Probleme, Organisationsthemen die wir heute besprochen haben:

00:35:04: Fachkräftemangel, Kostenanstieg – des betrifft, Maike, eure KlapdorKollegen Academy genauso wie es die Solvi GmbH betrifft, genau so wie es die Zahnarztpraxis betrifft – und die Zahnarztpraxen sind da glaube ich eben noch offen im Prozess, dass sie da echt noch ankommen werden, weil einfach die Kassen leer sind und das auch politisch gewollt ist.

00:35:20: Und ich glaube auch, dass das Chancen bietet und nicht nur Risiken.

00:35:24: Und von daher ist es, glaube ich, immer gefährlicher, Praxis einfach so laufen zu lassen. Die alten Rezepte, das sagtest du vorhin, eine kleine Praxis kann vielleicht noch nach Kontostand und so...

00:35:32: Ja – und selbst da sehen wir, dass dieses "ich habe das immer so und so gemacht" und nach Kontostand und das alte Rezept ... dass das auch nicht mehr so gut funktioniert.

00:35:39: Und das wäre, glaube ich, mein wichtigster Wunsch aus dem Podcast:

00:35:42: Beschäftigt euch aktiv mit diesen Themen.

00:35:44: Wenn ihr euch dazu hingezogen fühlt, dann ist es ein wunderbares Feld, Unternehmer zu sein.

00:35:49: Ich finde es täglich bei allen Herausforderungen total bereichernd, oder?

00:35:52: Und dann aber auch zu sagen, okay, Unternehmer werden ist aber ein anderes Game als das, was ich an der Uni gelernt habe, und ist etwas, das ich vielleicht eigentlich gar nicht auf dem Schirm hatte.

00:36:00: Vielleicht hab' ich nicht alle Charaktereigenschaften oder nicht alle Ausbildungen, nicht alle Fähigkeiten, die ich dafür eben brauche ... Und das dann systematisch anzugehen und mir da Hilfe zu hole, Fortbildungen zu machen, was weiß ich, Bücher zu lesen, Podcasts zu hören – das Angebot ist vielfältig.

00:36:15: Aber eben: Ihr müsst die Entscheidung, glaube ich, am Ende immer selber rechtfertigen und selber treffen.

00:36:19: Das kann euch keiner abnehmen und das ist eigentlich das Schöne an der Freiberuflichkeit: aktiv sein.

00:36:24: Ja, und wirklich besser ein paar Mal mehr nachdenken, tiefer nachdenken, sich die Zeit zu nehmen, die es braucht für den nächsten Schritt, bevor man eben reinstolpert in etwas, dass ihr unter Umständen nachher doch bereuen könntet, weil ... das gibt es ja nun einfach auch.

00:36:40: Das, denke ich, das wirst du schon beobachtet haben, ich auch,

00:36:42: und genau, das muss nicht sein!

00:36:44: Da kann man antizipieren und vorausdenken,

00:36:47: von den Erfahrungen anderer darf man auch immer lernen.

00:36:49: Das ist ja diese schöne große Möglichkeit, die sich da eröffnet.

00:36:55: Ja, lieber Christian, herzlichen Dank für deine wirklich bereichernden Perspektiven, auch Empfehlungen, die du gegeben hast.

00:37:04: Ich bin mir sicher, dass wir hier unseren Zuhörern doch einiges bieten konnten für ihre eigenen unternehmerischen Entscheidungen.

00:37:11: Herzlichen Dank und sehr gerne bis bald!

00:37:14: Tschüss!

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