(044) Verheiratet mit einem Visionär: Dr. Tatiana und Dr. Jöran Felgner über Praxiswachstum als Paar

Shownotes

Er bringt die nächste große Idee mit, sie sagt erst einmal Nein. Und ist am Ende oft diejenige, die dafür sorgt, dass aus der Vision funktionierende Realität wird. So beschreiben Dr. Tatiana und Dr. Jöran Felgner das Kernprinzip ihres unternehmerischen Zusammenspiels.

Seit 2019 betreiben und entwickeln die beiden ihre Praxis für Zahnerhaltung in Leipzig. Parallel wurden sie Eltern von drei Kindern. Im Gespräch mit Maike Klapdor erzählen Tatiana und Jöran von beruflichen und privaten Wachstumswegen. Wie haben sich ihre unterschiedlichen Rollen herausgebildet? Was verändert sich, wenn aus einem überschaubaren Team eine größere Organisation wird? Welche Widrigkeiten waren zu bewältigen, welche Lernkurven haben die beiden weitergebracht?

Eine spannende Folge aus dem vollen Leben: Viel Freude beim Zuhören.


Shownotes:
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Transkript anzeigen

00:00:07: Herzlich willkommen bei Dental Spirits, dem Podcast für alle, die sich für gesundes Praxiswachstum interessieren.

00:00:13: Dieser Podcast bietet dir Inspiration und ganz konkrete Tipps für die komplexen Herausforderungen der wachsenden Zahnarztpraxis.

00:00:21: Mein Name ist Maike Klapdor und heute ist Premiere. Ich darf zwei Interviewgäste bei uns begrüßen: Dr. Tatiana Felgner und Dr. Jöran Felgner.

00:00:30: Ja, herzlich willkommen ihr beiden. Hallo. Danke Maike. Hallo.

00:00:35: Ja, lieber Jöran, du bist den Fans dentaler Podcast vermutlich bestens bekannt als Gründer und, ja, oft auch noch dabei bei "Saure Zähne", da bist du häufiger zu hören.

00:00:46: Richtig? Immer mal wieder, ja. Es war mal mehr dann mal wieder weniger und dann mal wieder mehr.

00:00:51: Ja, und heute haben wir euch im Doppel! Das ist natürlich super, weil heute beschäftigt uns was ganz anderes, nämlich Praxiswachstum.

00:00:59: Ja, und das so als Paar, also sowohl beruflich als auch privat geht ihr miteinander durchs Leben...

00:01:04: Und ich freue mich sehr, dass wir hie, ja im Familienmanagement, Klein Rosa ist im Hintergrund auch dabei,

00:01:10: also wenn hier gleich kleine Geräusche irritieren liegt es vielleicht daran, dass ihr das so organisiert habt, um bei uns sein zu können heute.

00:01:18: Vielen Dank dafür!

00:01:20: Ja, wir haben uns kennengelernt im Praxisleitungslehrgang unserer Academy in Hamburg und sind seitdem mit dem ein oder anderen Thema auch gut verbunden.

00:01:29: Ihr habt viel erlebt, auch dynamische Phasen und, ja, ich habe euch mal eingeladen in diesen Podcast, bin ganz dankbar, dass ihr dabei seid, und einige Aspekte mit uns teilt!

00:01:38: Ja, da direkt auch mal rein, springen wir ins Feld mit der ersten Frage, so, wie darf man sich eure Praxis vorstellen?

00:01:45: Wann habt ihr euch niedergelassen und mit welchem Therapie-Konzept habt ihr euch positioniert? Also, ich fange mal einfach an.

00:01:53: Wir haben uns ... 2018 fing es eigentlich an, dass wir ... wir haben uns ja in Berlin kennengelernt und dann haben wir 2018 gedacht, okay, wir gucken mal... weil für mich war

00:01:59: schon sehr zeitnah klar, dass ich gerne eine Praxis machen würde.

00:02:05: Und dann habe ich den Tatiana ein bisschen davon überzeugt, dass das eine gute Idee wäre.

00:02:13: Ich wusste oder dachte, dass es einen langen Vorlauf hat, so eine Praxis zu finden, die zu unseren Wünschen passt.

00:02:21: Uns war schon immer klar, dass wir dann nicht eine Dreizimmerpraxis übernehmen wollen würden, sondern fünf bis sechs, vielleicht mit der Option, dass es mehr sein könnte.

00:02:29: Und dann haben wir im Oktober 2018 uns mit dem Berater damals getroffen. Mit dem Hintergrund ,dass wir gedacht haben, okay vielleicht 2020 oder so können wir dann das

00:02:33: vielleicht starten.

00:02:38: Und dann ging das aber doch schneller.

00:02:39: Dann hatten wir zwei kleinere Praxen schon in November und Dezember angeguckt und dann die jetzige Praxis, die wir dann übernommen haben, 2019 im März ...

00:02:48: Was war das denn für eine Praxis? Wie können wir uns die vorstellen, wie viele Zimmer, wie war die positioniert?

00:02:53: Warum ist die Wahl auf diese Praxis gefallen? Es ist vielleicht auch ganz spannend, was den Standort angeht, weil wir waren ja zu dem Zeitpunkt beide in Berlin.

00:03:02: Jöran kommt gebürtig aus Halle an der Saale und ich komme aus Moers vom Niederrhein. Das heißt, ganz Deutschland stand uns eigentlich erstmal offen.

00:03:11: Also das war jetzt erstmal die Überlegung, wo soll denn diese Praxis, die wir uns da vorstellen, überhaupt sein?

00:03:16: Und dass es dann Leipzig war, und ich war bevor wir die Praxis übernommen haben noch nie in Leipzig, ich kannte die Stadt gar nicht,

00:03:24: das war wirklich auch einfach eine Opportunität, die sich darauf aufgetan hat, diese Praxis, die eben durch diesen Praxisberater, ja, in den Pool gespült wurde und wo's

00:03:30: einfach ganz gut passte – auch schon konzeptionell!

00:03:37: Was war das, was passend war? Was waren so die Attribute der Praxis, die stimmten? Also schon gut etablierte Zuzahlungen, hochwertiges Behandlungskonzept.

00:03:46: Die Abgeberin hat damals auch schon, glaube ich, auf einem Zimmer behandelt.

00:03:50: Sie hatte noch den Schwerpunkt Angstpatienten, aber hat auch einfach von vornherein schon sehr hochwertig gearbeitet.

00:03:58: Also das war für euch ein zentrales Auswahlkriterium, ja? Und die Lage. Also die Lage der Praxis.

00:04:03: Wir sind vom Zentrum von Leipzig zu Fuß,

00:04:06: ich würde mal sagen, also ich laufe vielleicht in zehn Minuten wenn man ein bisschen langsamer läuft 15 bis 20.

00:04:13: Man ist fußläufig eigentlich relativ nah an der Stadt. Ich lauf auch so lange. Na gut, ich habe jetzt auf Ausdauersport für mich entdeckt.

00:04:21: Intervalltraining, weißte? Ich lauge jetzt schneller. Wunderbar, ihr merkt schon, die uns zuhören,

00:04:26: das wird spannend mit zwei Menschen hier miteinander und so. Okay, ich wollte euch nicht unterbrechen.

00:04:33: Wie viele Zimmer hatte die Praxis? Fünf Okay, und Ausbaumöglichkeiten haben sich damals schon gezeigt?

00:04:39: Waren euch die wichtig? Also mir schon, ich weiß gar nicht bei dir, wir haben das damals ja nie so thematisiert, aber ich glaube, für dich war es jetzt nicht so von Bedeutung,

00:04:42: Tatiana, oder?

00:04:46: Also ich muss sagen, ich bin komplett blauäugig in dieses Praxisprojekt gestartet. Ob die Praxis nun fünf oder sechs Zimmer gehabt hätte,

00:04:52: das war damals nicht, das stand für mich nicht als Auswahlkriterium zur Verfügung.

00:04:56: Wir haben aber direkt mit Übernahme damals ein Zimmer mit Anschlüssen versorgt, Bodenbelege gemacht und gemalert, einfach als Ausweichzimmer, weil die Umbaumaßnahmen

00:05:02: gerade sowieso stattfanden.

00:05:08: Die Praxis hatte damals ein sehr, sehr großes Warenlager und das haben wir zum Behandlungszimmer damals schon mit ausgebaut.

00:05:15: Okay, also direkt aus fünf nach sechs? Wie viele habt ihr heute? Zwölf, zwölf Zimmer aber nicht ausgebaut!

00:05:20: Ausgebaut sind es neun. Ja, prima. Also das Thema Wachstum ist also hier super platziert, wie man hören kann.

00:05:26: Jetzt mal so euer Team. Also wie war das Team zu Beginn? Habt ihr Menschen übernommen? Wie war die Teamgröße?

00:05:33: Wie war das alles damals? Solange ist es ja eigentlich auch noch gar nicht her, ne? Ja, 2019 vor Covid waren auch nochmal ein großer Einschnitt.

00:05:40: Also 2019 im Oktober ging dann die Praxis an den Start und dann war sie auch schon sehr schnell wieder geschlossen, und zwar im März 2020 durch die Corona -Pandemie.

00:05:49: Das war natürlich das erste einschneidende... ... da winkte die erste Herausforderung für euch. Genau.

00:05:53: Und wir sind ... ... damals haben wir versucht, alle Menschen die in dieser Praxis gearbeitet haben, zu halten auch.

00:05:59: Es gab eine angestellte Zahnärztin, eine Assistenz-Zahnärztin. Ich glaube, die gesamte Teamgröße war da so 12 ...

00:06:07: ... 12 oder 13 habe ich auch gedacht. Aber man kann's vorspulen, heute arbeiten von allen Menschen noch zwei bei uns.

00:06:15: Ja ... ... und das war ... Wie groß ist euer Team jetzt aktuell? Stand heute? Stand heute sind es 20.

00:06:21: 20. Juli 2026 sind es 20 Personen. Ja, ich glaube, das ist auch fast normal, ne?

00:06:30: Dass also eine Praxis sich im Team grundlegend dreht. Vielleicht nicht normal, aber das gehört dazu, glaube ich, wenn man mit so einem fokussierten Konzept, wie ihr das

00:06:36: vorhattet und lebt, auch rangeht.

00:06:43: Das würde uns nochmal ein bisschen genauer jetzt interessieren, also was für ein Konzept habt ihr vorgefunden?

00:06:48: Was, habt ihr gerade gesagt, und was sind die Veränderungsschritte im therapeutischen Konzept und in der Positionierung, die ihr über die Jahre vorgenommen habt?

00:06:56: Also unser Hauptschwerpunkt ist ja, wir waren ja damals in Berlin auch in der Zahnerhaltung an der Uni, in der Charité.

00:07:01: Das heißt, Zahnerhaltung war schon immer so, sage ich mal, unser Kernfokus, bei mir dann mit der Spezialisierung auf mikroskopische Endodontie, bei Tatiana dann Schwerpunkt

00:07:06: Parodontologie.

00:07:12: Und so war es eigentlich immer klar, oder auch aus Überzeugung heraus, dass wir eine Praxis, in Anführungsstrichen, bauen wollen, die also auf hochwertige Zahnerhaltung...

00:07:20: Und das heißt alles, was wir machen, ist eigentlich immer, also auch beim Zahnersatz, immer darauf fokussiert, wie man möglichst minimal, also immer die minimalinvasivste

00:07:26: Form ist die, die wir wählen würden. Und am Ende auch immer die hochwertigste. Aus unserer Meinung zumindest. Also immer mit dem Hintergrund, dass man eigentlich die

00:07:32: Sachen nur einmal machen will.

00:07:38: Das heißt wir haben jetzt, es gibt ja verschiedene Konzepte... Bei manchen ist es ja so, dass man drei, vier, fünf Optionen hat, was man jetzt zum Beispiel für ein

00:07:42: Füllungsmaterial nimmt, was für eine Endo man möchte,

00:07:46: irgendwie drei, vier Varianten, und bei uns ist halt immer eigentlich, im Wesentlichen ist es eigentlich die hochwertige Variante, also sprich: Endos sind zu 99,99 Prozent mit

00:07:52: dem Mikroskop ...

00:07:58: Du arbeitest auch als Überweiser, glaube ich, Jöran? Oder als aufnehmende Praxis? Genau.

00:08:03: Also sowohl Überweiser von extern, als auch natürlich irgendwo dann interne quasi, durch die angestellten Zahnärzt:innen.

00:08:09: Und ich glaube, was uns auch noch unterscheidet, das ist auch etwas, was man so im Nachgang, wenn man dann mit anderen Praxisinhabern spricht, die dann immer fragen, "ja,

00:08:14: aber funktioniert das denn?", ist dieses Ein-Zimmer-Konzept?

00:08:20: Also dieses auf mehreren Zimmern behandeln machen wir halt bewusst nicht. Auch da geprägt durch, ich glaube nicht nur, meine Erfahrungen.

00:08:26: Also ich fand das in meiner Assistenzzeit ganz schlimm, dass man auf drei Zimmern dann immer so rumgesprungen ist, also so bei einem einspritzen schon mal, bei dem nächsten

00:08:31: aufklären, da eine Füllung machen und dann quasi fließbandmäßig wieder den Loop zurückschlagen.

00:08:37: Das wollte ich absolut nicht.

00:08:39: Und deshalb ist es auch für alle Angestellten so: Jeder hat ein Zimmer, darauf wird gearbeitet und das höchste der Gefühle ist vielleicht mal, wenn so ein Provi rausfällt

00:08:45: und ein Zimmer ist frei, dass man dann mal ins Nachbarzimmer geht und ein Provi vielleicht einsetzt.

00:08:51: Frage an dich, Tatiana:

00:08:52: Es war gerade so diese Positionierung, und dazu gehört vielleicht auch wirklich das, was Jöran gerade ausführte, also ein Zimmer, ein Behandler, Patient kriegt volle

00:08:57: Aufmerksamkeit, man springt nicht hin und her.

00:09:02: Das wolltet ihr nicht. Ist das auch das Konzept, das du aus voller Überzeugung trägst, oder hattet ihr da Diskussionen?

00:09:09: Nein, also da sind wir konzeptionell wirklich komplett einer Meinung gewesen.

00:09:14: Wir haben ja auch lange im Voraus einfach gesprochen, wie stellen wir uns .. oder wir haben das Ganze rückwärts geplant:

00:09:19: Wie stellen wir uns unser ideales Arbeiten vor? Und damit natürlich verbunden auch unsere Familie?

00:09:26: Wie möchten wir arbeiten? Wie möchte wir leben? Und da zählte auch für mich dazu das Behandeln auf einem Zimmer und einfach hochwertig behandeln.

00:09:35: So macht es mir selber auch Spaß. Jetzt war das eben schon ein bisschen durchgeklungen,

00:09:40: Jöran hat die Idee für die Praxis, dann hast du gesagt, "so, ich musste Tatiana davon ein bisschen begeistern"...

00:09:45: Wie ist es mit dem unternehmerischen Wirken? Seid ihr da beide gleich dynamisch unterwegs? Gibt's da Unterschiede?

00:09:51: Wie dürfen wir uns das vorstellen? Also zum glück nicht. Die Konversation haben wir auch wirklich oft, wir würden uns gegenseitig ausbremsen.

00:09:58: Jöran ist ganz klar der Visionär von uns beiden und ich stoppe erst mal jedes Projekt. Ach so, das ist so euer Muster?

00:10:04: Ja, also er bringt es an. Dann sage ich ein paar Tage nein, irgendwann sage ich ja und am Ende bin ich diejenige, die dann die Konsequenzen umsetzt.

00:10:12: Das heißt, du bist so der Part, der quasi hinter dem Visionär alles möglich macht und die vielen Details und den Mental Load und diese Akribie und all das, was Visionäre in

00:10:18: ihrem Team immer brauchen, damit Dinge funktionieren,

00:10:24: ist das so deine Rolle? Oder verstehe ich das gerade falsch? In der habe ich mich wieder gefunden.

00:10:28: Das war mir von vornherein nicht so klar, dass ich einen großen Visionär geheiratet haben.

00:10:35: Wir haben dann ... ja, beruflich muss man ja auch erstmal entdecken, was sind die eigenen Rollen und Stärken.

00:10:40: Ich habe vorhin schon gesagt, wir sind relativ blauäugig in die Praxisgründung gestartet. Damals habe ich mir Gedanken gemacht über Wandfarbe und wie so eine Praxis

00:10:44: ästhetisch für mich wäre.

00:10:48: Die eigentlichen Themen, die uns heute bewegen: Mitarbeiterführungen, Konzepte, Zahlen, Daten; das hat überhaupt gar keine Rolle gespielt. Und wir haben aber auch festgestellt

00:10:54: auf dem Weg, dass wir uns natürlich sehr gut ergänzen.

00:11:00: Jöran hat eine tolle Idee und, ja, wenn ich dann dabei bin, diese tolle Idee umzusetzen, ist er schon wieder bei der nächsten.

00:11:08: Ja, das stimmt. Also das ist auch für mich gut. Also ich hätte es nicht besser sagen können, es ist wirklich ... Das war uns, glaube ich, beiden nicht so klar, aber es ist

00:11:12: wirklich eine sehr gute Ergänzung.

00:11:16: Weil ich eher so in der Zukunft lebe und ich habe so Spaß daran, so eine Idee, und was könnte man noch machen und wo könnte man kreativ sich da etwas überlegen?

00:11:25: Und dann aber bei dem Nachhalten, beim System schaffen, dass der Status funktioniert, das finde ich relativ langweilig!

00:11:31: Das holt mich nicht ganz so ab. Dann will ich mir lieber Gedanken über die neuen Ideen machen. Tatiana hat aber auch echt da ein gutes Talent für dieses ganze Management und,

00:11:35: ja ...

00:11:40: Ja, das ist so. Geld wird in der Routine verdient, das ist dieser Satz, der uns so alle leitet.

00:11:44: Und es ist schon so, dass die Visionäre absolut das Potenzial haben, den gesamten Laden immer wieder so durcheinander zu bringen, dass man nie in der profitablen Routine, in

00:11:50: der Mitarbeiterstabilität, in allem ankommt ...

00:11:56: Ja, die uns zu hören, können es gerade nicht sehen, aber ich sehe gerade zwei ganz breit lachende Gesichter.

00:12:03: Ja, es ist das und das heißt, bei euch habt ihr quasi innerhalb des Familienkreises, habt ihr direkt diese beiden so wichtigen, sich ergänzenden Rollen kombiniert.

00:12:11: Also glücklicher kann's ja gar nicht sein! Und ihr habt euch also selber entdeckt auch in diesen Rollen?

00:12:19: Jetzt ist die visionäre Rolle, Jöran, höre ich, dir so auf den Leib geschrieben oder du lebst das und Tatiana, wie ist das für dich?

00:12:27: Ist es schon so, dass du sagst, das ist für mich alles so okay. Oder machst du das, damit das Ganze funktioniert?

00:12:34: Also, es kommt auf die großen Visionen an. Ah okay, da ist eine Abwägung drin. Ich habe das für mich auch reflektiert:

00:12:42: ohne Jöran hätte ich keine Praxis gegründet, ohne Jöran hätte ich keine Praxiserweiterung gemacht und wer weiß, was die nächsten Schritte sind?

00:12:48: Aber auf dem Stand, auf dem wir uns befinden, bin ich sehr glücklich mit diesen Entscheidungen und manchmal liegt das Glück ja außerhalb der Komfortzone

00:12:56: und da lasse ich mich einfach auch ein bisschen mit leiten und inspirieren.

00:13:00: Ja, das finde ich gerade, ist ein ganz wunderbarer Beitrag, weil das geht grade in die Richtung der Reflektionsfähigkeit. Und ich denke, das wissen wir alle,

00:13:09: dass so die eigene Reflektionsfähigkeit ein riesiger Schlüssel zum Gesamterfolg ist und auch im Grunde das Level des erreichbaren Erfolgs für die Gesamtpraxis festlegt.

00:13:19: An welcher Stelle habt ihr beide euch das so draufgeschafft?

00:13:22: Hattet ihr das immer schon, diesen Metatalk oder dieses, ja, auch das bewusste Innenleben und wie sind wir hier im Miteinander?

00:13:29: Habt ihr das erarbeitet oder war das immer schon da oder wie kann man sich das vorstellen? Also in dem Ausmaß nicht.

00:13:35: Ich würde sagen gerade am Anfang der Praxis, also nicht gar nicht, aber nicht so in diesem Maße.

00:13:40: Da hatte man vielleicht ein, zwei Bücher über Persönlichkeitsentwicklung. Jetzt trauen ich mich gar nicht es zu sagen, wie viele, weil ich nicht mal alle gelesen habe.

00:13:45: Aber jetzt hat man halt ewig viel Literatur, befasst sich damit, weil man, glaube ich, auch das ist auch eines der größten Learnings aus Selbstständigkeit, dass der größte

00:13:51: Hebel für Erfolg nicht unbedingt ist –

00:13:57: also so gut oder schlecht das ist –, dass man jetzt fachlich exzellent ist.

00:14:00: Sondern viel mehr, wie man sich selbst führt, und vor allem, wie man andere führt und damit meine ich nicht nur Mitarbeiterinnen, sondern auch Patienten.

00:14:08: Und dass wir halt einfach dieses People Business sind, von Menschen mit Menschen für Menschen.

00:14:12: Da ist eigentlich der Wirkhebel und dann irgendwann fängt man an, sich zu fragen, warum bin ich so?

00:14:18: Warum sind manche Sachen ... finde ich die gut oder schlecht?

00:14:21: Und da haben wir natürlich so ein bisschen das Glück, dass wir als Paar uns auch abends sozusagen ein bisschen sparringspartnermäßig fragen können.

00:14:28: Also da kriegt man ja ein ehrliches Feedback und nimmt es auch an.

00:14:31: Und ich würde sagen in den letzten so ... eigentlich mit eurer ... also wo wir mit euch in Hamburg das gemacht haben, hat man sich schon noch mehr ... kann man mehr ins

00:14:39: Refletieren über sich selber und danach hat das, glaube ich, nochmal so ein bisschen mehr Fahrt aufgenommen – also nach der Fortbildung auch.

00:14:47: Wie habt ihr das genutzt auch gerade für Wachstum, also auch für eure Management- und Führungsaufgaben?

00:14:53: Vielleicht gehen wir noch einen Schritt zurück und ihr beschreibt nochmal, wie ihr so die Veränderung erlebt hat.

00:14:58: Also was war der Management- und Führungsauffand für die zunächst ja kleinere Struktur?

00:15:03: Wie ist es jetzt im Vergleich zu heute – also zwölf Personen, zwanzig Personen und so weiter?

00:15:10: Zu Beginn der Praxis hatten wir ein... kleines Team.

00:15:14: Wir haben schon immer so an der 20-Leute-Grenze geschrubbt, mal ein bisschen weniger, mal etwas mehr.

00:15:20: Aber wir hatten viele sehr intrinsisch motivierte Menschen. Und der Führungsaufwand mit diesem Team war relativ gering, weil jeder an seiner Position so motiviert war, das

00:15:29: Beste zu machen, dass wir als Praxisleitungsteam nicht viel definieren mussten.

00:15:39: Wir haben erst festgestellt, dass es schwieriger wurde, je mehr Menschen dazukommen und je mehr definiert werden muss.

00:15:46: Wie siehst du das, Jöran? Ja, also ich finde eigentlich war's am meisten dieser Umschwung nach dem Umbau, wo man's nochmal mitbekommen hat.

00:15:53: Also dieses, dass die Strukturen sich halt einfach extrem geändert haben, weil du dann vorher noch viel mehr aus dem Gefühl heraus Sachen entschieden hast und das auch einfach

00:15:57: funktioniert hat.

00:16:02: Und weil wir, glaube ich, also sowohl ich als auch Tatiana, wir investieren schon auch sehr viel Zeit für die Mitarbeiter, dass man jetzt mal darüber spricht, einfach auch so

00:16:06: private Sachen...

00:16:10: Wer hat gerade irgendwelche Themen? Das interessiert uns auch wirklich,

00:16:12: aber das kannst du halt zu einem gewissen ... mit so 15 Leuten, ja da sind es halt nur 15 Geschichten. Und mit 20 oder 24 ...

00:16:20: Also wir haben ja jetzt gerade so eine Phase, wo wir gerade auch gerade relativ viele Leute eingestellt haben, nach dem Umbau, wo es nicht gepasst hat, und wo wir jetzt quasi

00:16:24: wieder nach... also wie du so musst schön sagst: Rüttelplatte.

00:16:29: Also das hat schon ordentlich gerüttelt. Das war ordentlich dynamisch!

00:16:32: Und da hat man gemerkt, wenn du dann 20 und mehr bist, das ist echt schwer... Da brauchste dann halt diese zweite Führungsebene.

00:16:39: Und da sind wir ja gerade aktiv dabei, das zu etablieren und haben da auch das große Glück, dass wir da wirklich eben jetzt vier, fünf Menschen haben, die aus unserer Sicht

00:16:46: sehr geeignet dafür sind, die eine starke Loyalität auch letztlich zu uns und zur Praxis haben.

00:16:53: Und die halt auch einfach ein bisschen das nach vorne treiben wollen, auch so intrinsisch, wie Tatiana schon gesagt hat. Das empfinde ich schon auch als Glück, dass

00:16:59: es gerade so ist, oder als Privileg und darauf kann man dann aufbauen und die Sachen eben auch verteilen.

00:17:05: An Glück glaube ich ja ehrlicherweise an der Stelle immer nicht so richtig, sondern es ist schon nach, ja nicht nur meiner, unserer Erfahrung schon so:

00:17:14: Man schafft Möglichkeitsräume.

00:17:16: Man schafft einen Rahmen, innerhalb dessen sich dann Menschen auch wohlfühlen, andocken und dann das Potenzial für Teamleitungen auch zeigen, entwickeln oder eben auch nicht.

00:17:26: Könnt ihr sagen, wie ihr diesen Raum geschaffen habt?

00:17:29: Weil, sagen wir mal, mit vier, fünf Personen, über die ihr jetzt reden könnt, die quasi, so höre ich das raus, an eurer Seite Führungsleistungen zum Teil mit übernehmen können.

00:17:37: Da werden viele, die uns zuhören jetzt sagen, was für eine Luxussituation. Nur, es ging ja nicht wie Schalter umlegen.

00:17:44: Was habt ihr da gemacht? Wie ist die Situation entstanden?

00:17:47: Das Thema zweite Führungsebene, das schleppen wir schon ein bisschen länger mit uns rum und ich glaube, wir haben den ersten Versuch gestartet vor fast drei Jahren.

00:17:56: Da wussten wir schon, okay, wir brauchen eine zweite Führungsebene. Wir können uns nicht um alle in Gänze kümmern.

00:18:04: Und wir müssen für die Assistenz, für die Prophylaxe, Teamleads etablieren, die sich kümmern.

00:18:09: Und damals haben wir einfach aus unserer Sicht die qualifiziertesten Menschen benannt. Und qualifiziert bedeutet fachlich qualifiziert.

00:18:17: Als Beispiel: Im Prophylaxe-Team haben wir gesagt, die DH ist jetzt das Teamlead, so! Das war dann das Teamlead. Und mehr haben wir dafür nicht gemacht.

00:18:25: Dann haben wir uns regelmäßig zusammengesetzt mit diesen Teamlead und das ging natürlich komplett in die Hose.

00:18:30: Also die Menschen wussten nicht, was sind meine Aufgaben? Wozu bin ich befähigt? Was darf ich sagen?

00:18:35: Was ist mein Handlungsspielraum hier in dieser Praxis? Was ist eigentlich meine Rolle hier? Und, ja, von diesen Teamleads arbeitet auch keiner mehr bei uns.

00:18:44: Ja, das wäre meine nächste Frage gewesen. Das hat unterschiedliche Gründe. Es war jetzt nicht, weil es mit dem Teamlead die so schief ging.

00:18:51: Das sind individuelle Gründe, warum dann diese Mitarbeiterinnen ausgeschieden sind,

00:18:56: aber wir sind halt komplett unstrukturiert an das Thema rangegangen. Jetzt habt ihr es anders angefasst?

00:19:03: Wir haben uns Unterstützung gesucht und haben uns noch mal ein bisschen auch mit dem Thema befasst. Und wir haben uns erst einmal davor gescheut, diese Rolle, das Teamlead,

00:19:08: überhaupt erst mal jemanden zu benennen,

00:19:14: das haben wir gar nicht gemacht, sondern wir haben uns erstmal angeschaut im Team, wer hat denn Lust Verantwortung zu übernehmen?

00:19:21: Wo sehen wir den Potenzial? Manchmal ist es ja so, es gibt Leute, die möchten gerne, die können aber nicht oder umgekehrt.

00:19:28: Ja, was mir noch mal wichtig ist, jetzt hier rauszuarbeiten ... Gut, Teamleitungsqualifizierung, wissen alle, wo man sowas machen kann...

00:19:36: Jedenfalls: die Geschichte der Führungsrolle, die in der Praxisleitung liegt. Also das ist ja auch so das,

00:19:42: was ich gerade bei dir raushöre, Tatiana, dass ihr auch selber euren eigenen Anteil an dem Gelingen der Etablierung der Teamleitungsstruktur reflektiert und erkannt habt und

00:19:47: jetzt anders angeht.

00:19:52: Verstehe ich das richtig?

00:19:55: 100 Prozent. Also wir mussten unsere eigene Rolle als Praxisleitung, als Führungskräfte überhaupt erstmal erkennen und einnehmen.

00:20:02: Und da auch ganz viel lernen jetzt natürlich auf dem Weg der sieben Jahre Selbstständigkeit. Da ist so viel an Wissen dazugekommen.

00:20:08: Da sind doch viele Fehler die wir einfach gemacht haben in der Vergangenheit, die wir so nicht mehr machen würden.

00:20:13: Ja, super.

00:20:14: Ich bin sehr dankbar, dass ihr das so offen ansprecht, weil es ist ja auch eine der Intentionen unseres Podcasts, dass wir jetzt hier euren Kollegen und Kolleginnen doch

00:20:21: einige Erfahrungen zur Verfügung stellen, sodass nicht jeder die schmerzhafte Kurve selber drehen muss, sondern also wirklich hier ...

00:20:28: Man kann das schon, wenn man's anders angeht, auch, dann könnte man es auch direkt zum Erfolg führen mit der Teamleitung?

00:20:34: Ihr nickt?

00:20:36: Ja. Also unser Fehler, glaube ich, damals war wirklich, dass man zum einen zu sehr vielleicht die Leute... ich will nicht sagen gedrängt ... aber das größte Learning war

00:20:40: jetzt bei den Leuten,

00:20:44: die haben sich wirklich selber eigentlich fast schon unterbewusst in diese Rolle schon positioniert.

00:20:49: Es war relativ klar, es sind Leute, die von sich aus einfach mal was mehr gemacht haben, die Interesse gezeigt haben, wo man einfach merkt, die sind jetzt am Gelingen der Praxis

00:20:54: sind die halt interessiert.

00:21:00: Und dann unterstützt man die halt und guckt halt und fragt. Aber bei dem ersten Versuch, den wir damals hatten, haben wir so, wie Tatiana schon gesagt hat, da hat man gesagt,

00:21:04: okay du bist ja DH, willst du das nicht machen?

00:21:08: Macht das doch! So nach dem Motto, es gibt auch ein bisschen mehr Geld, so ...

00:21:11: Jetzt ist es eher so strukturierter gewesen, dass man auch erst mit Teilaufgaben angefangen hat und dann gesagt hat, hey mach doch vielleicht erstmal das und dann guck

00:21:16: mal wie es dir liegt, ob das was für dich ist. Und auch für uns natürlich: Klappt das? Und dass man dann danach sozusagen noch mehr Verantwortung ... und dann hat sich das so

00:21:21: natürlich auch fürs Team gefügt.

00:21:27: Das war nicht so dieses von heute auf morgen, ach da ist jetzt jemand, der ist jetzt hier Chef, so nach dem Motto, sondern das war dann irgendwie für niemanden eine

00:21:31: Überraschung, weil es so...

00:21:36: Ja. Im Grunde habt ihr dann den Raum aufgemacht, dass Talente sich zeigen konnten und ihr habt dann Potenziale erkannt und sie auch entwickelt, oder?

00:21:43: Kann man das so sagen? Joa, wir haben's glaube ich auch noch mehr kommuniziert, das haben wir früher auch nicht gemacht.

00:21:47: Also dass man zum Beispiel gesagt hat, hey, jeder, der irgendwie mehr Verantwortung übernehmen will und zum Beispiel sagt, ich habe Lust in dem und dem Bereich mehr zu

00:21:51: machen...

00:21:56: Dann gucken wir, wie wir irgendwie eine Lösung finden, dass wir denjenigen da unterstützen, fördern und wieder in seiner Kompetenz stärken können.

00:22:04: Und das haben wir vielleicht damals in dem Maße nicht so kommuniziert.

00:22:07: Und das ist jetzt sowas Wiederkehrendes, was wir sagen, und was die Leute wahrscheinlich auch wiedergeben können.

00:22:14: Wenn wir mal einen Schritt weitergehen, wie ist da die Aufteilung zwischen euch beiden?

00:22:19: Wir wissen ja, kurative Tätigkeit am Patienten und dann gibt es Management- und Führungstätigkeiten.

00:22:24: Visionär-Rolle haben wir gerade schon gehört – wir haben das Konzept auch gehört. Wie teilt ihr beiden euch diese Aufgaben rund um die Menschen auf in der Praxis?

00:22:33: Also hier hat sich das zum Teil einfach gefügt, was so die einzelnen Kompetenzen sind.

00:22:40: Also ich begleite, was die Führungsaufgaben angeht, alle Menschen bei uns vom Recruiting bis hin zum Onboarding und dann auch die Feedback-Gespräche. Die liegen in meiner Hand.

00:22:52: Und wenn es um die kompletten Zahlen geht, dann ist das Jörans Thema. Okay, also Einstellungsgespräche macht ihr wahrscheinlich zusammen, oder wie?

00:23:01: Kommt drauf an, welche Position glaube ich auch, ne? Das muss man schon sagen. Ärztlich zum Beispiel. Als ich würde jetzt nie ...

00:23:06: Also ärztlich machen wir auf jeden Fall zusammen oder im Zweifel würde ich mir alleine den/die Person anschauen.

00:23:12: Und ZFA eigentlich auch. Bei allem anderen bin ich dabei, wenn ich dabei sein kann. Wobei das schon so ist, dass der Prozess primär in meiner Hand liegt.

00:23:21: Und wenn ich Unsicherheiten habe und sage, hey, da wäre es mir wichtig, dass du die Person auch noch mal kennenlernst, bevor sie im Team startet, hast du heute nochmal

00:23:26: Zeit, dass du mit dabei bist.

00:23:31: Aber ansonsten würdest du mir auch vertrauen, ich glaube die letzten Einstellungen hast du nicht kennengelernt.

00:23:37: Okay und dann ist ja so dieses ... Onboarding, hast du gerade schon angesprochen, auch diese aktive Gestaltung der Probezeit, enges Feedback, all das, was ihr machen werdet,

00:23:45: macht ihr das beide miteinander? Oder ist es auch, ich sage mal: bereichspezifisch? Einer eher bei den Ärzten? Der andere eher bei den Nicht-Ärzten?

00:23:53: Oder wie habt ihr da dieser diese Aufteilung unter euch im operativen Alltäglichen? Die Ärzte sind in Jörans Hand.

00:23:59: Wir haben mittlerweile auch etabliert, dass er sich wöchentlich mit den Ärzten zusammensetzt und demnach ist der ganze Bereich Ärzte bei Jöran – auch bei

00:24:05: Neueinstellungen und bei den Feedback-Gesprächen in der Probezeit.

00:24:11: Dadurch, dass ihr so eng im Dialog seid, wöchentlich, hat man da schon eigentlich sehr viel gesprochen. Und alle anderen sind bei mir.

00:24:18: Ah ja, also da schon eine klare Aufteilung. Ja, jetzt würde ich so vermuten...

00:24:21: Ich frage das einfach mal, Tatiana: Du jetzt als, ja, sehr qualifizierte Zahnärztin überlässt deinem Mann für die Einstellung in der gemeinsamen Praxis, die Entscheidung

00:24:27: bei den zahnärztlichen Kollegen.

00:24:33: Da bin ich gerade so ein bisschen verblüfft. Ist es einfach, hat sich das so als pragmatisch ... oder wie kam's dazu?

00:24:41: Ach würde ich gar nicht so sagen. Also am Ende sprechen wir trotzdem natürlich noch drüber. Ja das ist schon immer gemeinsam.

00:24:45: Aber, sagen wir, mal wenn man es so jetzt prozentual sagen würde, wäre da wahrscheinlich eher so ein Ticken mehr dass das so mein Bereich ist, aber so eigentlich alle

00:24:48: Einstellungen ...

00:24:52: Also wir haben uns über jeden, der eingestellt wird, zumindest ausgetauscht und so ein bisschen, weil da auch immer dieser zweite Blick natürlich ganz nett ist für jemanden,

00:24:59: ich sag jetzt mal, wenn Tatiana jetzt zum Beispiel das persönliche Gespräche mit einer Person, die sich für die Rezeption beworben hat, geführt hat, und ich habe aber die

00:25:04: Person nur ganz kurz kennengelernt, dann ist mein Blick natürlich nochmal ein ganz anderer als jetzt zum Beispiel sie hatte.

00:25:10: Das heißt, da tauschen wir uns schon immer aus, und es wäre jetzt nie so, dass jetzt ... also wir haben noch nie eine Person eingestellt, die nur ich oder du gesehen haben,

00:25:14: oder?

00:25:18: Oder gesprochen oder darüber ... ? Nee, ne? Nee, wir haben eigentlich immer. Also du würdest jetzt nicht einfach mit jemandem einen Arbeitsvertrag unterschreiben und sagen,

00:25:23: " hier übrigens, sie fängt jetzt an"?! Das meine ich ...

00:25:28: Ja, das ist dieser wichtige Bereich der Führung und Personalsteuerung, genau, das jetzt auch für alle die uns zuhören:

00:25:35: Also da werden einfach über Wirkungsketten riesige Renditebeiträge erzeugt, auch über die Stabilität, die daraus entstehen kann, über die Probezeiten, die dann nicht

00:25:41: abgebrochen werden, weil man sich da die Mühe mit macht und allem...

00:25:47: Wie ist die Aufteilung eurer Zeiten? Also jetzt kurativ, Management, Führung. Wie darf man sich eure Wochenplanung vorstellen?

00:25:54: Wer macht wieviele Stunden am Patienten? Wer hat welchen Anteil, jetzt auch durchaus mal in Stunden, wenn das möglich ist, für Management- und Führungstätigkeiten.

00:26:03: Willst du, soll ich? Legt gern los!

00:26:06: Momentan ist es ja so, Tatiana ist ja noch in Elternzeit, also gerade ist es ein bisschen limitiert natürlich, aber deshalb ist bei mir gerade so, dass ich, wie viele

00:26:11: Stunden habe ich, 30 Stunden Behandlung, dann hab' ich ja durch dieses Ärztemeeting jetzt,

00:26:16: das ist ja jeweils immer eine halbe Stunde, alleine das bei drei oder vier Ärzten, anderthalb, zwei Stunden, 32, und ja, der Rest ist dann für diese Führungssachen.

00:26:25: Was aber zu wenig ist, was mir klar ist, aber was in der Konstellation jetzt auch, nach dem Umbau und dadurch, dass Tatiana selber nicht behandeln kann, gerade aktuell nicht

00:26:30: anders geht ehrlicherweise.

00:26:35: Aber in der Perspektive möchte ich eigentlich auch... weil es sind jetzt vier Tage auf dreißig Stunden, dass soll ein bisschen weniger werden, damit ich den anderen Aufgaben,

00:26:42: die da auch mit steigender Mitarbeiterzahl noch ausgiebiger kommen werden, dass ich denen überhaupt gerecht werden kann.

00:26:49: Weil das ist schon manchmal, was wir glaube ich auch privat merken, dass man dann – grad Montag, Dienstag sind die langen Tage bis achtzehn Uhr –, da kommst du eigentlich nur

00:26:54: nach Hause, kurz Abendbrot essen, Kinder ins Bett,

00:26:59: da ist dann nicht mehr viel. Und an den anderen Tagen ist es zwar nicht durch die Behandlung so spät, aber eben durch das Büro.

00:27:04: Und so richtig so an der Praxis arbeiten ist aktuell zumindest für mich relativ schwierig. Leider.

00:27:11: Da ist der Visionär gerade ein bisschen eingebremst. Ist ja vielleicht auch gar nicht so ganz schlecht, oder?

00:27:17: Ja. Tatiana, bevor das dritte Kind kam, wie war bei dir die Aufteilung?

00:27:22: Also wir haben uns abgewechselt, in der kurativen Tätigkeit zumindest, weil das war ja das dritte Kind.

00:27:28: Wie gesagt, wir haben noch zwei weitere, also insgesamt sind es drei, sechs Monate, drei Jahre und fünf Jahre.

00:27:34: Und das heißt, wir haben unseren Arbeitsplan schon auch danach ausgerichtet, wenn jetzt mal ein Ausfall kommt, durch Kindergarten und Co., dass die Praxis weiterläuft.

00:27:43: Das heißt,

00:27:43: wir haben aneinander vorbei behandelt, damit wir möglichst wenig Patientenabsagen haben, und immer jemand einspringen kann. Und dann haben wir einfach die verbliebene Zeit für

00:27:50: Führungsaufgaben eingeteilt und auch das ist einfach noch zu wenig gewesen.

00:27:58: Und jetzt so? Würdet ihr sagen, steht es im Moment so ganz gut? Auch in eurer Aufteilung und dem, wie es gerade so aussieht in der Praxis?

00:28:07: Naja, ich glaube momentan sind wir aber gerade dabei, oder was heißt dabei ...? Aber es ist gerade so eine dynamische Phase, eben gerade ein bisschen auch durch diese

00:28:11: Neueinstellungen und

00:28:16: Wieder-Neueinstellungen jetzt, das heißt, wir sind gerade ganz arg am Prozesse und SOPs quasi nachziehen.

00:28:21: Das ist unser Ding gerade. Und was jetzt aber nicht passen würde ist zum Beispiel, bei mir, ich müsste eigentlich, wie gesagt, wenigstens ein halben Tag weniger am Stuhl

00:28:25: arbeiten.

00:28:29: Das geht aber grad einfach nicht. Also das funktioniert nicht.

00:28:33: Das ist aber eigentlich das Ziel, dass man die Praxis jetzt – so in Anführungsstrichen – stabilisiert, dass das läuft und ich mich ein Stückchen nur zurückziehen kann, damit ich

00:28:37: dann aktiv an dem Rest weiterarbeiten kann.

00:28:42: Und das wir auch Tatianas Wiedereinstieg dann quasi vorbereiten. Das ist ja dann auch im März. Genau!

00:28:48: So, jetzt würde ich ganz gerne nochmal über die räumliche Erweiterung sprechen, weil, ich hatte mitgekriegt zwischendurch und dachte Hilfe, Hilfe, die Praxis hat länger

00:28:53: geschlossen als geplant.

00:28:59: Könnt ihr uns da noch mal kurz sagen, wie ihr das so angegangen seid und was da kam und wie ihr es bewältigt habt miteinander?

00:29:08: Also wir haben schon zu Beginn unserer Praxisübernahme festgestellt, ja, so ein bisschen größer würde es noch gehen.

00:29:14: Es war dann auch zwischenzeitlich so, wir haben im Schichtsystem gearbeitet und uns gingen die Räumlichkeiten irgendwann aus.

00:29:21: Ich war da gerade in der zweiten Elternzeit und hätte ich Vollzeit wieder einsteigen wollen, hätte das gar nicht funktioniert, ich hatte kein Behandlungszimmer mehr.

00:29:28: Und dann haben wir uns natürlich Gedanken darüber gemacht. Wie soll es weitergehen? Bleiben wir an diesem Standort, wollen wir hier erweitern?

00:29:34: Wollen wir noch mal irgendwo anders größer und neu starten?

00:29:37: Wir haben schon immer neben unseren Praxisräumlichkeiten, die gemietet sind, eine andere Bürofläche gehabt, ein Versicherungsbüro oder sowas war das.

00:29:46: Da haben wir schon immer so ein bisschen geträumt, na wenn die mal ausziehen, dann machen wir einfach einen Durchbruch und dann machen wir die Praxis größer.

00:29:53: Und das sollte dann auch stattfinden? Ja, also wir haben natürlich auch überlegt, das was wir eingangs sagten, so ein bisschen dieses Backwards-Planning: Wo will man mal hin?

00:30:00: Will man immer quasi hundertprozentig dass der Praxiserfolg und -misserfolg, zumindest im Kurativen, von einem selber abhängig ist?

00:30:06: Der Rest wird ja immer bleiben. Und da war eigentlich die Antwort recht schnell, dass wir das nicht wollen.

00:30:11: Also für mich jetzt zum Beispiel gesprochen, ich liebe Behandeln, ich liebe Endo, das könnte ich den ganzen Tag machen. Das ist auch eher immer das Entspannteste am Tag, an

00:30:14: meinem Arbeitstag.

00:30:18: Aber ich würde ruhiger schlafen, wenn ich wüsste dass wenn ich mir übermorgen beide Hände breche das die Praxis trotzdem noch als unternehmenden Gewinn erwirtschaftet und

00:30:23: ich dann eben meine Tätigkeit verlagern kann.

00:30:29: Und da war uns klar, dass das mit dem Konzept so und mit der Größe nicht funktioniert, und deshalb haben wir damals gesagt, hey dann machen wir die Erweiterung, das müsste

00:30:36: dann ungefähr auf 40 – also wenn wir voll ausgelastet sind es bei zwölf Zimmern ungefähr 40, 50 Mitarbeiter, müsste das eigentlich eine Größe sein, wo das jetzt möglich wäre,

00:30:43: dass man im Worst-Case oder Best-Case, je nachdem wie man sich da entwickelt, was man machen will, auch irgendwann sagt, okay ich mache – in Anführungsstrichen – vielleicht

00:30:50: nur noch – also "nur" in wirklich in Anführungsstrichen – Management und behandle jetzt vielleicht nur noch ein, zwei Tage oder so.

00:30:57: Und die Möglichkeit wollte man zumindest sich offen halten. Und, ja, dann haben wir das geplant.

00:31:02: Also wir haben eine Firma genommen, die eigentlich auch sehr erfahren ist, so so dachten wir, und da war der geplante Fertigstellungstermin der 01. Mai, genau.

00:31:13: Schlüsselübergabe wäre der 30.04. gewesen, das weiß ich noch.

00:31:16: Und, naja, also die Kurzform ist: Der Bauleiter hat dann leider seiner Funktion der Bauleitung nicht so richtig Funktion getragen.

00:31:23: Und dann hatten wir nicht nur geplant drei Wochen zu, sondern haben eben dann erst am 05.06., also in Summe dann sieben Wochen später, die Praxis eröffnen können

00:31:33: wieder. Und selbst da war die erst bei 70 Prozent. Bedeutet: Da haben noch Türen gefehlt, zum Beispiel zum Röntgenzimmer,

00:31:39: da waren irgendwie ... mussten noch Sachen gestrichen werden und auch Behandlungstüren haben gefehlt.

00:31:45: Also das war so, konnte man machen, weil man es musste, aber so richtig optimal war es nicht.

00:31:49: Und natürlich hatten wir dann finanziell nicht eingeplant, einen Monat – oder fünf Wochen dann in dem Fall – alle Gehälter und Fixkosten zu bezahlen, ohne dass da

00:31:54: Einnahmen reinkamen.

00:32:00: Ja, jetzt, ganz spannendes Thema:

00:32:02: Wie ist es euch gelungen, die gute Stimmung und auch die Wirtschaftlichkeit irgendwie zu halten? In der Phase auch danach?

00:32:10: Inzwischen ist ja schon wieder einige Zeit vergangen. Wie habt ihr das hingekriegt? Also wir arbeiten immer noch dran.

00:32:17: Wobei, die gute Laune, ich konnte euch jetzt auch schon oft begegnen, und die gute Laune, also ihr wirkt auf mich immer schon sehr, wie soll ich sagen, entspannt, auch

00:32:23: sehr sehr eng miteinander und durchaus immer im innerlich auch gut gestimmt und fröhlich.

00:32:29: Also wart ihr das immer schon so und hilft euch das dann auch sowas zu durchstehen oder habt ihr euch das antrainiert?

00:32:35: Oder was ist das? Das sind ja alles resillienzfördernde Maßnahmen, ne? So ein Umbau. Da trainiert man ja jeden Tag.

00:32:44: Also ich denke, durch die Aufgabenteilung, dass ich nicht vielleicht einen ganz genauen Einblick habe in die Zahlen, ist nicht schlecht.

00:32:50: Sonst würde ich nämlich nicht mehr schlafen. Und Jöran ist einfach sehr entspannt.

00:32:54: Ja, aber das war ich schon immer, ich war schon immer entspannt tatsächlich, aber durch die Praxis jetzt nochmal deutlich entspannter.

00:33:00: Also das Thema Resilienz ... Das ist auch, wenn wir manchmal ... Das haben wir leider letztes Jahr nicht gemacht, aber wir machen immer Silvester,

00:33:05: das ist eigentlich ganz lustig, kann ich allen anderen auch mal empfehlen, so als Paar so Silvester so ein Video machen, wie das Jahr so war und was man so als

00:33:11: Zukunftsvorhersagen für sein eigenes nächstes Jahr trifft und sich das Video dann wieder in einem Jahr angucken.

00:33:18: Wie gesagt, letzte Jahr haben wir es leider vergessen, aber sonst haben wir es die die anderen Jahre immer gemacht. Und das war schon sehr spannend und auch im Rückblick zu

00:33:21: sehen, was einen manchmal beschäftigt hat.

00:33:24: Ich hatte das gerade vorgestern mit meiner Assistenz gehabt.

00:33:27: Da haben wir einfach ein bisschen gequatscht und da habe ich so gesagt, ich weiß noch, bei der ersten Kündigung, da bin ich im Auto gefahren und dachte, was machen wir jetzt?

00:33:36: Und da war das total schlimm.

00:33:38: Mittlerweile, klar es ist natürlich nie so, dass man die Hände klatscht, aber man denkt so naja ... Es ist okay, man nimmt das nicht persönlich und es geht schon weiter und man

00:33:43: überlegt eher, was war vielleicht der Grund, was kann man besser machen, man hat da also eine ganz andere Ebene.

00:33:48: Und ich glaube mit dem Umbau war's wirklich so, dass, da waren so viele Sachen, also wir haben ja dann auch jetzt im Nachgang noch so Rechtsthemen mit der Baufirma,

00:33:56: mit unserer Hausverwaltung, diese Baugenehmigung es war wirklich so viel,

00:34:00: wo man irgendwie immer gedacht hat, das haben wir auch am Team immer gesagt, so, eigentlich, jetzt ist eigentlich der Punkt jetzt, also schlimmer kann's nicht werden...

00:34:07: Und dann kam dann halt immer so, wie jemand der dann so im Hintergrund steht, und immer noch einen drauf und noch einen darauf, aber irgendwie haben wir das, glaube ich, ganz

00:34:12: gut hingekriegt. Und finanziell gesprochen, weiß ich noch... das ist jetzt vielleicht ein bisschen, nicht naiv oder doof, aber ich weiß

00:34:18: einen Satz, den hat unser Berater uns damals gesagt, weil für mich waren natürlich diese ganzen Praxisummen, das war ganz viel Geld.

00:34:25: In meiner Familie ist niemand Zahnarzt, dementsprechend wusste ich auch nicht, was so ein Investitionsgröße ist, und das war irgendwie alles abstrus viel Geld.

00:34:31: Und da hab ich dem gesagt, "Naja, wie machen wir denn das wegen dem Kredit und so? Kann ich da jetzt wirklich noch mal 50.000 mehr?"

00:34:36: Und dann hat er gesagt, "Weißte, ob du nun mit 800.000 oder 850.000 in die Insolvenz gehst... das macht am Ende auch keinen Unterschied! Ja, der Mann hat Humor!

00:34:45: Ja, genau. Und

00:34:45: das hat sich aber so bei mir eingebrannt, dass ich gesagt habe, also wer wäre ich denn, wenn ich nicht selber an meine oder unsere Vision glaube, dass ich denke, wir kriegen

00:34:50: das nicht. Und am Ende: Wenn es schief geht, geht's halt schief.

00:34:55: Also jetzt mal ganz blöd. Und glücklicherweise leben wir auch in Deutschland. Ich meine die Fallhöhe, die man hier hat, ist jetzt auch eher, es ist schon überschaubar jetzt so.

00:35:02: Ja, an alle, die uns vielleicht etwas länger schon folgen, es gibt diese eine Folge mit Dr. Jochen Rosbach und der sagte dann diesen schönen Satz, "Ja, Scheitern war keine

00:35:06: Option".

00:35:10: Also, ne? Es gab diesen einen Plan und der musste funktionieren und dann geht man manchmal auch über das Risiko hinaus, das man eigentlich gehen wollte.

00:35:17: Ich glaube so ungefähr war das, Jöran, oder? Ja 100 Prozent. Wie gesagt:

00:35:21: Wenn man selber nicht felsenfest überzeugt wäre, dass man es irgendwie ... und da muss man ja noch nicht immer definitiv die exakte Ausgestaltung kennen,

00:35:29: aber das man's irgendwie hinkriegt, dann würde man's ja auch nicht machen.

00:35:33: So Tatiana, du sagtest eben, du warst dann ganz glücklich, dass du zeitweise über die Finanzen nicht so im Detail Bescheid wusstest?

00:35:39: Wenn du jetzt deinen Mann so sprechen hörst, sind das Gefühle, die du damals so geteilt hast, oder wurden die dann teilweise von dir fern gehalten?

00:35:45: Oder wie war das? Nein, also ich glaub wir sind einfach... Vielleicht sind wir da wirklich ... vielleicht so ein bisschen naiv entspannt?

00:35:53: Wenn es schief gegangen wäre, wär's schiefgegangen. Also an der Uni hat's mir auch gefallen. Ist nicht mein Plan A, aber ...

00:35:58: Aber das meine ich ja auch mit der Fallhöhe. Das ist wirklich so. Du wirst als Zahnarzt schon irgendwie eine Anstellung finden.

00:36:03: Klar ist der Lebensstandart möglicherweise ein anderer, aber ich mein, so what?! Ich glaube das klingt immer so abgedroschen, aber am Ende ist es halt wirklich wichtig:

00:36:11: Wir sind gesund, uns geht's gut, wir haben eine tolle Familie.

00:36:14: Wir haben einfach schon, also wir sind sehr glücklich in unserem Leben und alles was da drauf kommt ist noch on top. Und das ist alles gerade Selbstverwirklichung und wenn's

00:36:20: funktioniert, super, und davon gehen wir natürlich auch aus,

00:36:26: ja? Aber wenn jetzt, wenn es irgendwie nicht so gut funktioniert hätte, es geht immer weiter. Aber da fällt mir noch was Wichtiges ein:

00:36:33: Wir haben ja immer mal gesagt, wenn man manchmal Kinder hat, dann fragt man sich so: Boa wie hat man das ... ohne Kinder hätte man quasi die Welt erobern können, ja?

00:36:37: Aber eine Sache, die mit Kindern wirklich so ist, egal welches Thema man hat: Wenn man dann nach Hause kommt, das ist drei Sekunden und dann ist es so egal, weil irgendjemand

00:36:44: sich eine Hose nicht anziehen will, der nächste will etwas nicht essen und du kannst gar nicht... wie das früher mal war, dass man die Sachen zuhause noch ewig zerdacht hat. Das

00:36:52: ist ja den Kindern komplett egal. Und das ist so für einen selber, fürs Seelenwohl manchmal echt sehr gut.

00:37:00: Ja, sehr faszinierend. Ist zumindest euer Konzept und es ist schon auch beeindruckend, wie euch das so gelingt.

00:37:04: Und es gibt ja ganz andere Entscheidungen auch, die dann,

00:37:08: habe ich ganz oft gehört, also dieses. machen wir die Praxis größer oder kriegen wir noch ein drittes Kind? Also dieses Entweder-Oder.

00:37:15: Und ihr seid da völlig unerschrocken in die Praxisgründungs- und auch Erweiterungsphase eingetreten und habt da noch drei Kinder bekommen in dieser Zeit.

00:37:24: Also es hat schon auch was mit Persönlichkeit und Robustheit zu tun, oder? Ja, ihr seht das jetzt nicht so wie ich, also Jöran grinst gerade sehr breit!

00:37:32: Die Sätze, Jöran, die interessieren uns jetzt, die in deinem Kopf gerade rumlaufen.

00:37:37: Na ja, wir hatten das wegen des dritten Kindes ja jetzt nicht ausgeführt... Aber das war ja auch eher so eine Überraschung für uns, sag ich mal.

00:37:44: Das war dann mitten im Bauprozess, dass uns klar war, dass es nochmal Nachwuchs gibt. Also ich kann mich da noch sehr bildlich dran erinnern, weil wir da jetzt nicht so

00:37:47: mitgerechnet haben.

00:37:51: Und dann haben wir gedacht, naja gut, aber ist doch schön! Ja, wir haben da zu dem Zeitpunkt, haben wir ein Video aufgenommen fürs Team.

00:37:58: Weil wir waren ja auch alle nicht mehr in der Praxis. Und was passiert mit so einem Team, wenn die Strukturen verloren gehen?

00:38:03: Das war natürlich schlimm, für den einen oder anderen, nicht um 7:30 Uhr bei der Arbeit zu sein und die Struktur des Alltages zu verlieren.

00:38:11: Wir haben uns regelmäßig getroffen, einfach versucht am Ball zu bleiben, mal eine Videonachricht und sowas, ne?

00:38:16: Und dann haben wir eine Videonachricht aufgenommen, in der wir verkündet haben, dass die Praxis noch weitere vier Wochen geschlossen bleibt.

00:38:23: Und im Nachhinein hat das Team zu uns gesagt, "Sie sahen so betroffen aus, Sie sahen traurig aus."

00:38:28: Aber was wirklich an dem Tag war, da habe ich herausgefunden, dass wir nochmal Nachwuchs bekommen.

00:38:34: Mir ging es hundselend und wenn ich diese Nachricht rückblickend sehe: Das war der wahre Grund.

00:38:39: Die wussten noch nichts von ihrem Glück. Jedenfalls ist es euch gelungen, tatsächlich dieses ganze Team auch über die sieben Wochen komplett an Bord zu halten, das ist

00:38:43: richtig? Oder auch nicht.

00:38:47: Da hat sich dann rauskristallisiert, wer wirklich Teil des Teams weiterhin sein möchte und wer nicht.

00:38:53: Okay, leichte Bereinigungsprozesse gab's dann auch. Ja,

00:38:56: es gab ja auch dann einfach unelegante Aufgaben wie die Praxis wieder einräumen und wir haben wirklich alle mit an... – also fast alle – mit angepackt,

00:39:05: die Praxisräumlichkeiten wieder auf Vordermann zu bringen, die Stühle wieder zu reinigen und alles wieder an seinen Platz zu bekommen usw.

00:39:13: Und da hat sich eben auch gezeigt, wer macht mit und wer nicht? Und die Leute, die nicht mitgemacht haben, die waren dann auch relativ schnell weg.

00:39:20: Ja, bevor wir gleich so langsam zum Ende unseres Podcasts kommen, interessiert mich auf jeden Fall noch,

00:39:26: wir wissen ja, die größere Praxis hat eine andere Erfolgslogik als die kleinere und da habt ihr auch kräftig dran gearbeitet an allen Stellen.

00:39:34: Nochmal zu den Strukturen, wo gerade ihr redet über Schränke einräumen usw.

00:39:39: Welche Strukturen in der Praxis habt ihr, ja, aus welchen Gründen auch, nachgeschärft, jetzt in den letzten zwei, drei Jahren?

00:39:46: Auch vielleicht nochmal so ne Aussage zur Digitalisierung oder das, was grade kommt? Was war da der Fokus?

00:39:52: Also ich würde da mal antworten für den einen Teil, den ich relativ klar finde: Das ist zum einen, dass wir uns seit ... dieses ganze Onboarding/Offboarding oder vor allen

00:39:57: Dingen Onboarding, finde ich ist schon nochmal ganz anders geworden, weil du dann mit der Zeit dir auch erarbeitest, was ist einem jetzt wichtig bei einer neuen Person und

00:40:02: dann haste auch den Einfluss von anderen Mitarbeitern.

00:40:07: Also bestes Beispiel ist gerade Rezeption, da arbeiten wir mit allen zusammen im Team, hey, was ist jetzt wichtig bei der oder den neuen Personen, die jetzt da kommen?

00:40:16: Und dann ist es ... also, ich glaube so ein gutes Onboarding zum Beispiel für die Rezi, das hatten wir noch nie und so wollen wir das natürlich bei allen weiteren Positionen

00:40:20: auch noch erarbeiten.

00:40:25: Ich finde auch bei den Ärzten, wir haben z.B. diese Zeit, wo zu war auch dafür genutzt, alle Behandlungen durchzusprechen, dass man da sozusagen den Standard auch nochmal ganz

00:40:28: klar eicht.

00:40:32: Das ist natürlich immer also Work-in-Progress. Das hört ja nie auf, so. Aber das finde ich schon und auch die Team-Meeting-Struktur.

00:40:40: Ich meine, da haben wir jetzt davon auch profitiert, dass wir da eine Person eben haben, die sich dem annimmt, und das haben wir schon auch stark verbessert und sind eben da

00:40:47: auch auf dem Weg. Und ich hoffe, dass es immer noch besser wird, dass das weniger so ein Vortrag ist als mehr sowas Interaktives.

00:40:55: Wir haben in dem ganzen Umbauprozess unsere Praxisöffnungszeiten angepasst. Wir haben irgendwann festgestellt, die Praxis war ursprünglich geöffnet von 7:00 Uhr bis 20:30

00:40:59: Uhr.

00:41:04: Also 20 Uhr für Patienten, 20:30 Uhr für alle Mitarbeitenden, im Zweischichtsystem, und haben irgendwann festgestellt, es wird schwierig, neue Mitarbeiter zu finden, die

00:41:12: wirklich auch einen Spätdienst übernehmen und nicht nur einen, sondern zwei. Das ist einfach familienunfreundlich.

00:41:21: Und wir haben dann die Praxisöffnungszeiten angepasst bis 18:00 Uhr und haben dann in dem Zuge wirklich uns alles nochmal angeschaut,

00:41:28: wie sind Pausenzeiten gestrickt, und wir haben dann in diese neuen Dienstpläne unseren Meeting-Rhythmus mit eingebracht. Das heißt, wir haben jetzt ganz feste Zeiten für

00:41:36: Teammeetings, für Abteilungsmeetings, für Ärzte-Meetings, also im leitenden Team.

00:41:45: Ja, die sind im Dienstplan drin. Das war vorher on-top. Das heißt, wir haben dann mal geguckt, wo gibt es denn Zeiten, wo alle Zeit haben?

00:41:52: Und die gab's natürlich nicht. Gerade die Prophylaxe ist viele Monate im Voraus bestellt und dann hat sich das nicht ergeben.

00:41:59: So, und jetzt ist es einfach fest drin. Und für jeden klar, wann treffen wir uns wie lange?

00:42:03: Ja, da ist auch dieser riesige Werthebel hinter, wo im Grunde über das Management der Anwesenheitszeiten und wer macht was wann über Wirkungsketten dann auch wiederum die

00:42:10: Kultur, das Beieinandersein, das Wir-Gefühl und am Ende ja auch die Effizienz zusammen gesteigert wird.

00:42:18: Ja, Jöran, du nickst? Ja, 100 Prozent. Also Tatiana hat sich damit ja sehr intensiv befasst.

00:42:24: Also wir haben jetzt ja am Tag dann zweieinhalb Stunden weniger auf, aber effektiv, weil wir eben viel so Lücken hatten, dann doch mal Pausen und so ...

00:42:31: Also effektiv ist es eigentlich gleich. Nur ist es für die Leute angenehmer, ist es für uns angenehmer.

00:42:36: Und ich glaube, wir haben gerade das Thema Arbeitszeiten:

00:42:38: Das war natürlich ... nach dem Umbau, wenn du dann auf einmal noch die Arbeitszeiten einkürzt, das ist natürlich irgendwie, kann man das vielleicht auch missverstehen.

00:42:46: Ja, wir wollten es ja auch immer so machen, dass wir quasi, wenn wir selber in unserer Praxis arbeiten würden, dass wir das eben auch mit ein, zwei Kindern eben auch abdecken

00:42:51: könnten. Und dann diese Dienste da bis 20:00 Uhr, 20:30 Uhr, das ist schon doof.

00:42:57: Ja super, da freue ich mich, dass ihr genau dieses Beispiel aus dem Leben dafür gerade auch präsentiert.

00:43:02: Weil das ist ja auch der Weg, dass die Praxis für die Menschen passen darf und man eben nicht nur mit Industrialisierungsthemen Auslastung von Stühlen, über Stunden und so –

00:43:10: das ist ja Gott sei Dank dieser Wertewandel und auch der Perspektivwechsel, der glücklicherweise inzwischen stattgefunden hat.

00:43:18: Ja, jetzt, ohne diese Frage kommt ihr heute hier natürlich nicht raus:

00:43:21: Jetzt habt ihr schon viel aufgebaut und seid ja gleichzeitig auch noch sehr jung. Wenn wir so mal in die lange Zukunft gucken,

00:43:28: was ist denn da so noch vor eurem inneren Auge? Gibt es noch Projektideen mit Ladung?

00:43:34: Ah ja, zwei breit grinsende Gesichter! Was wollt ihr noch so angehen? Wir sind glücklich so wie's ist.

00:43:41: Also, ich weiß nicht, willst du? Ja, der Visionär darf zuerst ... seine Vision vortragen, dann kann ich den realistischen Plan erzählen.

00:43:50: Nein, der Visionär lernt ja auch dazu!

00:43:52: Der Visionär lernt ja auch, dass er bei allen Ideen natürlich seinen Fokus... dass das größte Problem des Visionäres ist, dass er sein Fokus verliert.

00:44:00: Und dementsprechend habe ich mich da schon ein bisschen eingeordnet, dass zumindest für die nächsten zwei, drei Jahre das so, ja, dass es wahrscheinlich schon Sinn macht, dass

00:44:06: wir jetzt alle Energie auf den jetzigen Standort stecken, also das heißt konkret gesprochen, alle Zimmer auslasten, immer unter Beibehaltung unseres Konzeptes, also

00:44:12: hochwertige Zahnerhaltung.

00:44:18: Und dass wir da gucken, kriegen wir das ausgelastet? Kriegen wir die Prozesse so, dass das im Zweifel auch ohne uns laufen würde?

00:44:25: Und wenn dann, 2028/29 dieser Punkt kommt oder nicht kommt, kann man dann gucken, ist das was, was man möglicherweise irgendwo anders nochmal repliziert oder halt nicht?

00:44:38: Wobei das ... alles kann nichts muss, so ist mein ... Schön. Ja. Tatiana, jetzt interessiert uns deine Stimme dazu.

00:44:46: Also mir gefällt es ganz gut, die Idee, einfach unseren jetzigen Standort erstmal mit Leben zu füllen. Und Effizienz ist da ein Stichwort, gute Strukturen, Prozess zu

00:44:52: etablieren, das Führungsteam zu etablieren und die Menschen auch zu halten.

00:44:59: Das ist ja auch so ein Thema, dass man einfach lange zusammenarbeitet. Und dann kann man ja auch Erfüllung im privaten Leben sich suchen.

00:45:07: Es gibt ja auch schöne Hobbys, Jöran? Ja, nein, es gibt ja auch viele andere Sachen. Also mir macht ja auch ... also ich mach ja auch gerne Vorträge oder sowas.

00:45:16: Das macht mir auch Spaß! Ich werde schon nicht an Langeweile sterben... Aber klar! Es sind noch ein paar Jahre Zeit.

00:45:24: Also du hast noch Zeit, mich zu bearbeiten und das ist so,

00:45:26: wie ich es anfangs gesagt habe: Ich hätte mich nicht selbstständig gemacht, ich hätte nicht vergrößert und Stand jetzt würde ich niemals, niemals einen zweiten Standort ...

00:45:35: Das ist für mich, wenn ich im Kopf daran denke, das strengt mich so an, da kann ich nicht schlafen, das stresst mich.

00:45:40: Aber wer weiß wie es in ein paar Jahren ist. Ja, so.

00:45:44: Alle die uns zuhören, es ist spannend, bei Felgners zu Hause, in der Praxis, aber zu Hause auch wie wir jetzt hier gerade noch aus dem letzten Wortwechsel entnehmen durften

00:45:49: – ganz großartig.

00:45:55: Also, ja, bei allem, was da noch so kommt, ich wünsche euch von Herzen glückliche Hand und jetzt erstmal möchte ich euch absolut danken für diese vielen tiefen Einblicke.

00:46:04: Wir durften euer geschäftliches Wirken verfolgen, gleichzeitig euer privates Miteinander. Ja war ein bisschen mehr sogar als über die Schulter schauen, also

00:46:10: teilweise auch Spannungsfelder und ich bin, ja, völlig beeindruckt davon, wie souverän

00:46:16: und, ja, mit was für einer glücklichen Gesamtausstrahlung, ihr das alles so macht! Vielen Dank dafür, dass Ihr bei uns wart.

00:46:23: Vielen Dank, alles Gute und Liebe für Euch und Eure Kinder und natürlich auch Euer gesamtes Praxisteam.

00:46:30: Ja und an euch da draußen: vielen Dank für euer Zuhören und bis bald. Tschüss!

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